4.03.2013 09:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/afp
China
Streit um Reisfelder - Chinesisches Dorfbewohner fordern freie Wahlen
Wegen eines Streits um Land haben sich die Bewohner eines chinesischen Dorfs gegen die Behörden erhoben und freie Wahlen gefordert. Die Polizei untersagte Fremden den Zugang zum Ort Shangpu.

Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP, die dennoch ins Dorf gelangte, am Sonntag. Die Bewohner liessen wiederum keine Behördenvertreter hinein. Vor rund einer Woche hatten sich die Dorfbewohner Auseinandersetzungen mit von einem Beamten entsandten Schlägern geliefert.

Abstimmung soll entscheiden

Die Situation ist auch deshalb heikel, weil am Dienstag der Nationale Volkskongress zusammentritt. Vor dem Eingang zu dem 3000-Einwohner-Dorf in der Provinz Guangdong waren am Sonntag rund 40 Einsatzkräfte postiert, die Fahrzeuge an der Zufahrt hinderten. Auf einem Spruchband in der Nähe war zu lesen: «Wir fordern mit Nachdruck legale und demokratische Wahlen.»

Die Bewohner wollen sowohl den Ortsvorsteher selbst wählen als auch darüber abstimmen können, ob ein umstrittenes Vorhaben zur Umwandlung von Reisfeldern in ein Industriegebiet gebilligt werden soll. «Dies sollte durch eine Abstimmung der Dorfbewohner entschieden werden», erklärte ein Protestführer.

Die Dorfbewohner fürchten, dass die Behörden nach der Zusammenkunft des Nationalen Volkskongresses den Ort von Sicherheitskräften stürmen lassen könnten. «Um Stabilität zu wahren, wollen sie keine Gewaltanwendung vor dem Treffen», sagte ein Bewohner.

Bevölkerung fürchtet sich vor Sicherheitskräften

«Wir haben Angst, dass sie zurückkehren», ergänzte er mit Blick auf die Angreifer, von denen die Bewohner vor einer Woche mit Schaufeln und anderen Waffen angegriffen worden waren. Die Bewohner wehrten sich mit Bambusstöcken und Steinen von einer nahegelegenen Baustelle. Mindestens acht Dorfbewohner wurden verletzt.

Die Situation in Shangpu erinnert an die Ereignisse im nahegelegenen Dorf Wukan Ende 2011, wo ein Streit zwischen Bewohnern und Behörden um Landraub durch örtliche Beamte eskalierte. Nach zehntägigen Protesten der Dorfbewohner erklärten sich die Behörden zu ungewöhnlichen Zugeständnissen wie freien Wahlen bereit.

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