16.01.2020 08:06
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Deutschland
Stimmung bei Bauern verschlechtert
Im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Mittwoch die aktuellen Ergebnisse des Konjunkturbarometers Agrar für den Monat Dezember.

Demnach hat sich die Stimmungslage der deutschen Landwirte weiter verschlechtert. "Neben einer schwierigen wirtschaftlichen Lage belegen diese Ergebnisse vor allem eine hochgradige Verunsicherung in der Landwirtschaft. Wir Bauern sind Unternehmer. Jeder, der etwas unternehmen will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf muss die Politik ausgerichtet werden", kommentierte Rukwied die Zahlen des aktuellen Konjunkturbarometers. 

Erwartungen verschlechtert

Mit einem Indexwert von nur 8,2 Punkten wird die derzeitige Situation von den deutschen Landwirten sehr ungünstig beurteilt. Bereits in den vorangegangenen Erhebungen im März, Juni und September 2019 hatte sich die Stimmung eingetrübt. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

Während die derzeitige Situation gegenüber September nahezu unverändert beurteilt wird, haben sich die Erwartungen an die künftige wirtschaftliche Entwicklung weiter verschlechtert und mit einem Wert von 3,34 auf der Notenskala von 1 bis 5 einen bislang noch nicht gekannten Tiefstwert erreicht. 

Investitionsplanungen unter dem Vorjahreswert 

Die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate liegen unter dem Vorjahreswert. Nur 33% der befragten Betriebe wollen in dieser Zeit Anschaffungen tätigen. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,8 Mrd. Euro (4.09 Mrd. Fr.) um 0,5 Mrd. Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand.

Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und Tierwohl fördernde Ställe. Einschliesslich Hof- und Stalltechnik ist hierfür im nächsten halben Jahr nur ein Volumen von 2 Mrd. Euro (2.15 Mrd. Fr.) vorgesehen, das sind im Jahresvergleich 0,3 Mrd. Euro weniger. Die beabsichtigten Investitionsvolumina in Maschinen und Geräte sowie erneuerbare Energien liegen dagegen bei einem unveränderten Volumen von zusammen 1,7 Mrd. Euro (1.83 Mrd. Fr.). 

"Wenn nur noch jeder dritte Landwirt in die Zukunft investieren will, spiegelt das die äusserst schwierige wirtschaftliche Situation wider", so Rukwied zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage. Die Liquidität der Betriebe habe sich seit September zwar kaum verändert, falle aber im Jahresvergleich deutlich schlechter aus. In Futterbaubetrieben und in Betrieben im Osten Deutschlands sei die Lage besonders angespannt. 

Höhere Schweinepreise heben Stimmung

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,13 etwas weniger ungünstig beurteilt als die künftige Entwicklung mit einem Wert von 3,34. Während die Einschätzung der aktuellen Situation in den Veredelungsbetrieben gegenüber September durch die globalen Marktentwicklungen infolge der Afrikanischen Schweinepest besser ausfällt und in den Ackerbaubetrieben nahezu unverändert bleibt, fällt die Lagebeurteilung in den Futterbaubetrieben schlechter aus. Die Zukunftserwartungen hingegen haben sich in allen Betriebsformen weiter verschlechtert. 

Vor allem die Entwicklung der Schweinepreise hatte in den letzten Monaten einen positiven Einfluss auf die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft. Dämpfend wirkten sich hingegen die gestiegenen Futtermittel- und Energiepreise aus. Politische Einflussfaktoren wie die nationale und europäische Agrarpolitik sowie die Wettbewerbsverhältnisse in der EU werden schlechter beurteilt.

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