23.06.2014 07:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Rediger, lid
USA
Stallvisite bei 36'000 Kühen
Die Fair Oaks Farm in Indiana ist eine der grössten Milchfarmen der USA, die Bauernfamilien gehört. Auf dem Betrieb werden über 36'000 Milchkühe gehalten. Die Stalltüren sind für Autobusse immer offen.

Eine Autostunde südlich von Chicago an der Autobahn I-65 befindet sich die Fair Oaks Farm, die vom Volksmund als Milch-Disneyland bezeichnet werden. Alles ist grösser, zugänglicher und unterhaltender, als sich dies Europäer gewohnt sind. Direkt bei der Autobahnausfahrt, neben der Tankstelle, befindet sich das Besucherzentrum, wo sich auch eine Ausstellungshalle mit Informationen und interaktiven Spielen rund ums Thema Milch befindet.

Für 25 US-Dollar erhält der Besucher Zutritt zu allen Angeboten. Inklusive sind auch zwei Tickets für Busfahrten zu einem Stallkomplex mit rund 3'000 Kühen sowie einer Schweinefarm. Jede Stunde startet je eine Milchkuh- und eine Schweine-Rundfahrt. Ob 50 Besucher im Bus sind oder bloss drei, die Tour findet statt. Die Ställe mit den Tieren dürfen nur mit den offiziellen Busfahrten besucht werden. Frei bewegen können sich die Gäste nur in den dafür vorgesehenen Bereichen und im Besucherzentrum, wo es auch eine Abkalbearena mit Besuchertribüne hat.

Kälbergeburten rund um die Uhr

Pro Tag werden bis zu 80 Kälber geboren und rund um die Uhr werden jeweils zwei Kühe in die Abkalbearena gebracht, wo die Besucher bei den Geburten zuschauen können. Gary Corbett, einer der Dairy Oaks Betreiber nennt drei Ziele, die mit dem Besucher-Projekt verfolgt werden: Es sollen alle Besucher sehen, dass Landwirtschaft umweltfreundlich betrieben werden kann, dass moderne Tierhaltung tierfreundlich ist und dass Milch gesund ist. Er betont: "Alle unsere Angebote wollen diese Botschaften transportieren und erfahrbar machen. Viele Konsumenten und Besucher haben keine Ahnung wie ein Bauernhof im 21. Jahrhundert funktioniert".

So wurde vor zehn Jahren entschieden, den Hof zu öffnen und Besucher willkommen zu heissen. "Wir waren überzeugt, dass es viel besser ist, wenn die Konsumenten die Landwirtschaft live erleben können. Viel effektiver als Filme zu machen oder Artikel zu schreiben." Im Januar 2004 konnte das "Fair-Oaks-Dairy-Adventure" eröffnet werden. Gleichzeitig mit dem Aufbau dieses Agrotourismus-Angebots wurde die Milchverarbeitung aufgenommen und damit begonnen, Käse und Glacé vor Ort zu produzieren.

Auch Milch wurde in der Hof-Molkerei abgefüllt und direkt an Läden im Raum Chicago verkauft. Damit wollte Dairy Oaks selber mit der Verarbeitung Erfahrungen sammeln und die Wertschöpfung auf dem Hof steigern. Ziel war es, eine eigene Produktmarke zu entwickeln und den Besuchern Hof-Produkte anbieten zu können. Julie Basich vom Besucherzentrum ist überzeugt, dass dieses Fair-Oaks-Projekt das Beste sei, um den oft negativen Schlagzeilen gegenüber der modernen Nutztierhaltung und Landwirtschaft die Stirn zu bieten.

400'000 Dollar Verlust pro Tag wegen Schneesturm

Das ganze Projekt hat im Jahr 1980 begonnen, als neun Bauernfamilien aus der Region des Dorfes Fair Oaks an der Autobahn I-65 sich zusammensetzten, um das Projekt "Fair-Oak Farms" zu starten. Heute umfasst der Betrieb eine Fläche von über 7'700 Hektaren ebenes Acker- und Grasland. Das Futter wird vor Ort angebaut, aber auch zugekauft, regelmässig bringen Lastwagen Mischfutter aber auch Dürrfutter aus dem 1'600 km entfernten Colorado nach Fair Oaks. Rund 1,2 Mio. Kilogramm Milch verlassen täglich die Farm.

Die grosse Herde wird in Ställen von je rund 3'000 Kühen gehalten und gemolken. Melkkaruselle mit einer Kapazität von 72 Kühen benötigen 8,5 Minuten für eine Umdrehung. Kann eine Kuh nicht fertig gemolken werden fährt sie ein weitere Runde mit. Im Schnitt werden die Kühe dreimal pro Tag gemolken. Als im letzten Winter die Lastwagen infolge Schneestürmen die Milch nicht abholen konnten, musste diese infolge mangelnder Lagerkapazitäten weggeschüttet werden. So verlor die Farm gegen 400'000 Dollar pro Tag.

Spatenstich für Schweine-Info-Center

"Dairy: Fun for everyone" – wie der Slogan auf einem Werbeflyer in den Tourismusbüros in der Region lautet ist ein mutiges Projekt, indem die moderne Landwirtschaft ihr Gesicht zeigt, die Ställe öffnet und daraus gleich einen einträglichen Betriebszeig macht. Nach zehn Jahren positiver Bilanz mit dem Dairy Adventure wurde im Mai 2014 ein Spatenstichfest für ein Schweine-Informations-Zentrum mit Lernangeboten durchgeführt.

www.fofarms.com

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