26.09.2013 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Benedikt von Imhoff, dpa
Russland
Russland: Heftiger Streit um Umweltschutz
Ob Eisbär, Tiger oder Wal: Gerne präsentiert sich Kremlchef Wladimir Putin mit spektakulären Aktionen als Umweltschützer. Auf seiner offiziellen Internetseite wirbt der russische Präsident mit Nachdruck für die Rettung gefährdeter Tierarten.

Nun betont Putin auch auf einer internationalen Arktis-Konferenz in Sibirien die Bedeutung einer gesunden Polarregion für die ganze Welt. Doch Kritiker etwa von der Organisation Greenpeace werfen dem 60-Jährigen vor, alle hehren Worte ausser Acht zu lassen, wenn es um die Ausbeutung immenser Bodenschätze und Rohstoffe in dem Gebiet geht. 

Riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet

Es sind vor allem russische Staatsunternehmen, die an die vermuteten gewaltigen Öl- und Gasvorkommen gelangen wollen. Unter dem Eismeer sollen rund 25 Prozent der weltweiten Vorräte lagern, dazu Diamanten und Kohle in grossen Mengen. 

Zwar betont Putin auf dem Arktis-Forum in der Stadt Salechard, nur Unternehmen, die moderne Technik und ausreichende Finanzen mitbrächten, dürften die Schätze ausbeuten. Aber Umweltschützer fordern, die ökologisch sensible Region erst gar nicht mit aufwendigen Erkundungen zu gefährden. «Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit», betonte Greenpeace-Mann Wladimir Tschuprow am Mittwoch. 

Vieles liegt im Argen 

Für Experten ist klar: In Sachen Umweltschutz liegt in Russland - bei allem Fortschritt in den vergangenen Jahren - vieles im Argen. «Da geht es um eine Bewusstseinshaltung», sagte der deutsche Experte Peter Koltermann von der Moskauer Lomonossow-Universität der Nachrichtenagentur dpa. 

Keine Normen, keine Zuständigkeiten, keine Verbindlichkeiten: Auch viele Behörden behandeln Umweltschutz noch immer stiefmütterlich. Mehr als 30 Milliarden Tonnen hochgiftiger Abfälle - oft noch aus Sowjetbeständen - gefährden Leben und Gesundheit von Millionen Russen. 

Mit harten Bandagen gegen Umweltschutz 

Der aufsehenerregende Protest von Greenpeace gegen geplante Ölbohrungen im Nordpolarmeer und das massive Vorgehen der Behörden gegen die Aktivisten werfen nun auch ein Schlaglicht darauf, wie Russland mit Umweltschützern umgeht. Während die Justiz gegen die festgenommenen Greenpeace-Leute wegen bandenmässiger Piraterie ermittelt und mit langen Haftstrafen droht, gibt Putin nach Ansicht von Kommentatoren den nachsichtigen Landesvater. 

Ja, die Aktivisten hätten zwar gegen internationales Recht verstossen, sagt der Präsident in Salechard. Um Piraten handle es sich aber sicherlich nicht. Live im Staatsfernsehen fordert der für medienwirksame Aktionen bekannte Politiker zum Dialog auf. 

Putin lobt Mut von Umweltaktivisten

«Es wäre doch viel besser, wenn Vertreter von Greenpeace in diesem Saal sässen und ihre Meinung zu den Problemen deutlich machten, die wir hier besprechen», sagte Putin. Als er spricht, ist kein Vertreter der Organisation mehr da. 

Kommentatoren erinnern sich, dass der Kremlchef einst den Mut der Umweltschützer in höchsten Tönen lobte. «Mit Erstaunen sehe ich manchmal, wie eine Gruppe von Menschen in einer kleinen Barkasse versucht, grossen Kriegs- oder Industrieschiffen Widerstand zu leisten. Ich muss sagen, das löst nur Sympathie aus», sagte Putin einmal in einem Interview.

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