27.09.2016 14:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Erdöl
Ringen um höheren Ölpreis
Auch dank der umstrittenen Fracking-Methode sind die USA zu einem der grössten Ölexporteure der Welt aufgestiegen. Doch diese Ölschwemme trug zum Preissturz bei. Doch fraglich ist, ob sich die wichtigen Förderländer nun auf eine Obergrenze einigen.

Am Rande der Energiekonferenz in der algerischen Hauptstadt Algier treffen sich die Mitglieder des Opec-Kartells, um über Lösungen zur Stabilisierung des niedrigen Ölpreises zu diskutieren. Dabei stehen auch ein zeitweiser Förderstopp oder eine Förderbeschränkung im Raum. Doch die Mitgliedsstaaten der Opec (Organisation erdölexportierender Länder) sind politisch zerstritten.

Wie kam es zum Preisverfall auf dem Ölmarkt?

In den Jahren 2011 bis 2014 strichen die ölproduzierenden Länder satte Gewinne ein. Im Schnitt lagen die Preise für die verschiedenen Sorten Öl jenseits der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel (je 159 Liter). Dann erlebten die USA aber einen regelrechten Ölboom und überholten sogar Saudi-Arabien als grössten Ölproduzenten weltweit. Die Folge: Wegen des Überangebotes an Öl sanken die Preise. Hinzu kam eine schwächelnde Wirtschaft in China, so dass gleichzeitig die Nachfrage sank.

Wie reagierten die ölexportierenden Länder auf diese Entwicklung?

Vor allem die grossen Marktführer wie Russland, Iran und besonders Saudi-Arabien befeuerten diese Entwicklung nachhaltig. Statt die Fördermengen zu kappen, überschwemmten sie den Markt geradezu mit billigem Öl und fachten den Preiskampf dadurch weiter an. Die Strategie dahinter war klar: Die USA kletterten besonders durch den weiten Einsatz der umstrittenen Fracking-Methode an die Spitze, weil plötzlich Ressourcen erschlossen werden konnten, die zuvor unerreichbar waren. Mit der Ölschwemme versuchten die bisherigen Marktführer aus dem Nahen Osten, die aufstrebenden amerikanischen Firmen wieder aus dem Markt zu drängen.

Welche Auswirkungen hatten die niedrigen Ölpreise?

Für viele Volkswirtschaften in Westeuropa waren die niedrigen Preise ein Segen und geradezu ein Konjunkturprogramm. Nach Angaben des Statistikamtes der EU, Eurostat, zahlten Konsumenten im Frühjahr dieses Jahres etwa acht Prozent weniger für Energie und Benzin als noch im Vorjahreszeitraum. Auf der anderen Seite kämpfen die ölproduzierenden Länder mit dem niedrigen Preis, besonders wenn sich ein Grossteil ihres Staatshaushaltes auf die Einnahmen aus dem Ölmarkt stützt. Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa machte kurz vor dem informellen Treffen der Opec-Staaten in Algier deutlich, dass ein Preis von im Schnitt unter 50 US-Dollar pro Barrel Öl nicht tragbar sei und den Markt und die Versorgungssicherheit mittel- und langfristig gefährde.

Findet jetzt ein Umdenken statt?

Experten sehen vor allem bei der Opec-Führungsmacht Saudi-Arabien ein Umdenken: «Saudi-Arabien ist mittlerweile in einer Position, in der sie diese Öl-Schwemme selbst nicht mehr durchhalten, weil es auch an ihre eigenen Reserven geht», sagt Professor Manuel Frondel, Leiter des Bereichs «Umwelt und Ressourcen» vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung im deutschen Essen. «Ich gehe also davon aus, dass man sich demnächst einigen wird, und die Preise dann wieder ein bisschen ansteigen.» Allerdings fuhr der Iran noch Anfang des Jahres seine Ölproduktion weiter hoch. Dennoch bestehen grosse Hoffnungen, dass sich die Opec-Staaten untereinander und auch mit Russland einigen werden. Bereits Mitte September hatte Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro verkündet, man sei kurz vor einer Einigung.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei einer Einigung?

Die Opec-Staaten sind sich uneins über eine gemeinsame Strategie, zumal zu den wirtschaftlichen Differenzen auch politischer Streit hinzukommt. Vor allem Saudi-Arabien und Iran, die eine wichtige Rolle innerhalb des Kartells einnehmen, sind zerstritten und unterstützen beispielsweise im Krieg in Syrien unterschiedliche Seiten. Das sunnitische Saudi-Arabien befürchtet einen wachsenden Einfluss des überwiegend schiitischen Irans in der Golf-Region.

Wie wahrscheinlich ist eine Einigung?

Bereits mehrfach hatten die Opec-Staaten zuletzt versucht, eine Deckelung der Fördermenge zu besprechen. Bislang scheiterten die Gespräche jedoch immer. Da mittlerweile aber auch Länder wie Saudi-Arabien und Russland die niedrigen Preise nicht mehr gut verkraften, gehen Experten davon aus, dass sich die Länder bald einigen könnten. Dann könnte aus dem informellen Treffen in Algier auch spontan eine offizielle Sitzung werden.

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