18.10.2020 08:23
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Protest gegen «Billigfleisch»
Deutschlandweit in 50 Städten haben Greenpeace-Aktivisten am Samstag gegen «Billigfleisch» in den Supermärkten protestiert und die Kundschaft über die „wahren Kosten“ der Fleischproduktion aufgeklärt.

„Der Handel ist mit seiner Einkaufspolitik massgeblich dafür verantwortlich, dass Mensch, Tier und Klima massiv durch die industrielle Fleischproduktion geschädigt werden”, erklärte die Landwirtschaftsreferentin der Umweltorganisation, Stephanie Töwe.

"Krankes System"

Das Konzept der Supermärkte, Fleisch zu Dumpingpreisen anzubieten, um damit Konsumenten in ihre Läden zu locken, sei „Teil des kranken Systems Billigfleisch”. Einer schriftlichen Umfrage von Greenpeace bei den grossen Detailhandelsketten zufolge stammen gut 90% des angebotenen Frischfleischs aus der Haltungsform 1 oder 2 der freiwilligen Fleischkennzeichnung.

Diese Tiere würden „unter qualvollen und häufig gesetzeswidrigen Bedingungen gehalten“, behauptet Greenpeace. Kaum eine Filiale biete Fleisch der besseren Haltungsform 3 an. Angebote von Produkten aus der Haltungsform 4, darunter Biofleisch, verharrten auch dieses Jahr auf sehr niedrigem Niveau. „Wir fordern die großen Ketten auf, Billigfleisch zügig aus dem Sortiment zu nehmen und Landwirte fair zu bezahlen. Nur dann können Tiere artgerecht gehalten werden“, betonte Töwe.

Nur 5% ausreichend gekennzeichnet

Greenpeace-Ehrenamtliche haben der Organisation zufolge parallel zur Abfrage auch in rund 300 Filialen der befragten Händler das Schweinefleischsortiment unter die Lupe genommen. Dabei seien „massive Lücken“ bei der Haltungskennzeichnung an den Bedientheken von Edeka, Kaufland und Rewe festgestellt worden. Dort hätten lediglich 5% der besuchten Märkte das Schweinefleisch ausreichend gekennzeichnet.

Während Kaufland gegenüber Greenpeace angab, an allen Theken zu kennzeichnen, sei bei den Kontrollen vor Ort in 14 von 16 Filialen das Schweinefrischfleischangebot an der Theke gar nicht ausgezeichnet gewesen. „Die Kennzeichnung mit der Haltungsform schafft zwar grundsätzlich Transparenz“, erläuterte Töwe. Wenn Kunden fast ausschliesslich Billigfleisch kaufen könnten, verkomme die Kennzeichnung aber zum „Greenwashing“.

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