3.09.2015 13:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Frankreich
Protest: 1700 Traktoren in Paris
Mit Hunderten Traktoren haben Bauern in Paris gegen die Krise der französischen Landwirtschaft demonstriert und staatliche Hilfe gefordert. Frankreichs Landwirte sehen sich wegen niedriger Preise und zu viel Bürokratie in ihrer Existenz bedroht. Sie protestierten mit tausenden PS und fanden so Gehör.

Die Polizei zählte am Donnerstag nach Angaben einer Sprecherin zunächst 1365 Traktoren, der Bauernverband FNSEA sprach von mehr als 1700 Fahrzeugen auf den Strassen. Die Riesen-Demo ist der vorläufige Höhepunkt monatelanger Proteste, die von den französischen Viehzüchtern ausgegangen waren.

Kein Verkehrchaos

Die Landwirte fuhren am Morgen mit ihren Traktoren über mehrere Autobahnen auf Paris zu und versammelten sich später am Platz der Nation im Osten der französischen Hauptstadt. An ihren Traktoren hatten sie Schilder mit Aufschriften wie «Frankreich - lass deine Bauern nicht im Stich», «Stoppt die Regulierung, stoppt die Abgaben», «Wer Armut sät wird Wut ernten» oder «Konvoi der letzten Chance» befestigt.

Viele Traktoren fuhren auch mit bretonischen Flaggen - die Region im Nordwesten Frankreichs ist besonders von der Agrarkrise betroffen. Tausende Demonstranten kamen mit Bussen oder dem Zug nach Paris. Das von vielen befürchtete Verkehrschaos blieb aber aus, unter anderem, weil die Traktoren nur auf einer Fahrbahn fuhren.

Nach französischen Medienberichten sorgten sie auf dem Weg zur Kundgebung am Platz der Nation für Hupkonzerte blockierter Autofahrer auf der Pariser Stadtautobahn, das ganz grosse Verkehrschaos blieb jedoch aus. Die Behörden hatten die Bewohner des Grossraums Paris zudem aufgerufen, ihre Autos zu Hause stehen zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zur fahren.

Strukturelle Erleichterungen gefordert

«Das ist weder ein Trachtenmarsch noch eine Traktorparade», sagte der Vize-Chef des mächtigen Bauernverbandes FNSEA, Dominique Barrau. «Die Landwirte sind entschlossen.» Er forderte unter anderem finanzielle Erleichterungen für die Landwirte, damit diese ihre Zulieferer bezahlen können.

Französische Landwirte protestieren schon seit Wochen mit Strassenblockaden im ganzen Land gegen sinkende Preise für Milch, Fleisch und Getreide, sie sehen das Überleben ihrer Betriebe gefährdet. Die französische Regierung legte deswegen im Juli einen 600 Millionen Euro schweren Hilfsplan auf. Die Bauern fordern aber weitergehende Massnahmen - unter anderem weniger bürokratische Regulierungen.

Valls verspricht Hilfe

Premierminister Manuel Valls kündigte nach einem Treffen mit Landwirten am Donnerstag an, die öffentlichen Hilfen sollten über die Dauer von drei Jahren auf 350 Millionen Euro pro Jahr angehoben werden. Die Bauern sollen ausserdem um zusätzliche 85 Millionen Euro bei den Sozialabgaben entlastet werden und können in diesem Jahr davon befreit werden, ihre Bankschulden zurückzuzahlen. Bei neuen Vorschriften werde es «bis Februar» eine «Pause» geben.

«Das ist eine Botschaft der Liebe, eine starke und ehrliche Botschaft: Sie haben die Unterstützung der Nation», sagte Valls an die Adresse der Bauern gerichtet. FNSEA-Präsident Xavier Beulin sagte den Landwirten, die Regierung habe ihre Forderungen «gehört» - wurde dafür aber von vielen Demonstranten ausgebuht und als «Verräter» beschimpft. Viele Bauern hatten unter anderem auf Preisgarantien gehofft.

Europaweite Krise

Am kommenden Montag sprechen die EU-Agrarminister bei einem Krisentreffen in Brüssel über die Lage der Branche. Auch dort soll es wieder Proteste geben: Der europäische Dachverband Copa-Cogeca erwartet 4000 Landwirte mit 1000 Traktoren. Über den richtigen Weg ist die europäische Politik bisher uneinig. Während Frankreich beim Milchpreis einen Eingriff in den Markt anstrebt, lehnte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dies Anfang der Woche ab.

In ganz Europa leiden Landwirte unter sinkenden Preisen für ihre Produkte. Die EU-Landwirtschaftsminister wollen am kommenden Montag über die Krise beraten. Aus EU-Kreisen in Brüssel verlautete am Donnerstag, ein Teil der Regierungen könne sich Regelungen vorstellen, die den gerade erst ausgelaufenen Milchquoten ähneln.

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