26.07.2013 15:03
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
«Partnerschaft zwischen Handel und Produzenten ist schöne Marketingphantasie»
Die Kritik an der nach seiner Ansicht «für die Bauern ruinöse Preispolitik des Lebensmittelhandels» hat der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Jakob Auer, bekräftigt.

Während der Handel gerade bei landwirtschaftlichen Produkten und Gütern des täglichen Bedarfs mit üppigen Margen verdiene, seien die Produzentenpreise für die Bauern bei Milch und Milchprodukten sowie Fleisch oder auch Kartoffeln wie eingefroren, erklärte Auer mit Blick auf den aktuellen Preismonitor der Arbeiterkammer.

Hohe Handelsmargen

Nach deren Berechnungen hat sich ein Einkaufskorb mit den 40 preiswertesten Lebens- und Reinigungsmitteln in fünf Supermärkten und drei Discountern im Jahresvergleich um 8% verteuert. Kartoffeln kosteten beispielsweise 74% mehr als vor einem Jahr, Tomaten 16% und Äpfel 47%. Nach Auers Worten wandert jede Preissteigerung „direkt in die Tasche der Handelsketten“. Bei Kartoffeln lägen die Handelsmargen beispielsweise bei 150 bis 200%.

Die vielbeschworene Partnerschaft zwischen Handel und Produzenten sei „eine schöne Marketingphantasie“, die den Konsumenten aufgetischt werde. Der Bauernbund-Präsident sprach von einer „Preispolitik auf dem Rücken der Landwirtschaft“ und sagte dem Handel den Kampf an. Vor allem bei Milch- und Milchprodukten spüre man eine Preissteigerung, von der bei den Bauern aber nichts ankomme. Auch hier stecke der Handel denMehrpreis in die eigene Tasche.

Handel achtet vornehmlich auf Gewinn

Dabei hätten gerade die Milchbauern in den vergangenen Jahren mit starken Preisschwankungen zu kämpfen. Während der Produzetenpreis für Milch im Januar 2008 noch bei knapp über 40 Cent/kg (49 Rp./kg) gelegen habe, sei er im Zuge der Wirtschaftskrise auf unter 25 Cent/kg (31 Rp./kg) gesunken und liege derzeit wieder knapp über 35 Cent/kg (43 Rp./kg), und das bei stark gestiegenen Betriebsmittelpreisen.

„Mir ist bewusst, dass der Handel vornehmlich auf seinen Gewinn achtet“, sagte Auer. Dass sich die Handelsketten beim Milchpreis aber derart einig seien und sich partout nicht bewegen wollten, sorge mittlerweile für Unruhe im gesamten Markt. Auer forderte den Handel auf, die vielzitierte Partnerschaft mit der Landwirtschaft nicht nur zu plakatieren, sondern auch zu leben.

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