19.09.2016 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Ohne Reform kommt nächste Krise
Ohne eine Reform der Lieferbeziehungen ist die nächste Krise am Milchmarkt vorprogrammiert. Davon ist zumindest der Vorsitzende der MEG Milch Board, Peter Guhl, überzeugt.

Er bemängelte am vergangenen Donnerstag in Göttingen, dass aus dem jüngsten Absturz der Milchpreise „nichts gelernt“ worden sei. Zwar habe sich mittlerweile am Markt „der Wind wieder gedreht“ und die Preise für Standardmilchprodukte stiegen wieder. Wann und wie stark sich dies auf die Milchpreise auswirken werde, sei aber kaum abzuschätzen.

Klar sei jedoch, dass die Milchbauern keinesfalls gestärkt aus der Krise hervorgingen und es weiterhin keine nachhaltigen Lösungsansätze gebe. Guhl kritisiert, dass die Milcherzeuger nach wie vor kein wirksames Instrument in der Hand hätten, um einen Absturz der Milchpreise zu verhindern. Zum Zeitpunkt des Quotenendes habe es beispielsweise keine verbindlichen Mengen- und Preisvereinbarungen in die Zukunft hinein gegeben, so dass eine unkontrollierte Mengenausdehnung die Preise in den Keller geschickt habe.

„Hätte jeder Milchbauer am 1. April 2015 einen Milchkaufvertrag mit einer Preis-Mengen-Regelung in Händen gehalten, wäre es nicht so schlimm gekommen“, erklärte Guhl. Damit sich dieses Szenario nicht wiederhole, seien Reformen unumgänglich. Der Schlüssel zu einem funktionieren den Wettbewerb liegt für den Vorsitzenden des Milch Boards in der Abschaffung der Andienungspflicht. Diese müsse durch schuldrechtliche Verträge zwischen Bauern und Molkereien ersetzt werden.

In diesen Verträgen sollten die Laufzeit, die Liefermenge und der Preis klar definiert sein. Die Politik sieht Guhl dabei nach wie vor in der Verantwortung: „Die Position der Milcherzeuger ist zu schwach, um eine Reform der Lieferbeziehungen einzuleiten.“ Die Politik müsse deshalb Standards in der Milchvermarktung formulieren und deren Rechtsverbindlichkeit sicherstellen.

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