30.09.2016 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Erdöl
Ölpreis: Preisanstieg angezweifelt
Benzin und Heizöl sollen bald teurer werden, geht es nach der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Deren Mitglieder haben sich nach langem Ringen auf eine Obergrenze bei der Förderung geeinigt. Doch Rohstoffexperten bezweifeln eine nachhaltige Wirkung der Abmachung.

Die zerstrittene Opec hatte am späten Mittwochabend überraschend eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter) beschlossen.

Mangelnde Disziplin

Die Entscheidung bedeutet eine Absenkung der Produktion um fast 750'000 Barrel täglich gegenüber dem August dieses Jahres, wie Katars Energieminister Mohammed al-Sada nach mehr als sechsstündigen Beratungen in Algier ankündigte. Die genaue Reduktion der einzelnen Mitgliedslandes soll beim Opec-Gipfel am 30. November festgelegt werden.

Das Kalkül des Kartells: Wird weniger gepumpt, sinkt das Angebot und die Preise steigen. Rohstoffexperten glauben aber nicht so recht daran. Sie verweisen auf die mangelnde Disziplin der 14 Opec-Mitglieder, auf eine weiter schwache Nachfrage angesichts der schwächelnden Weltkonjunktur und auf die anderen grossen Akteure am Markt wie Russland und die USA.

Maximal 10 Dollar teurer

Die Ölpreise zogen zwar nach der Ankündigung sofort um über sechs Prozent an. Allerdings ging es am Donnerstag schon wieder leicht nach unten. Zuletzt kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 48,52 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag bei 46,99 Dollar. Nach der Überraschung über die unerwartete Einigung habe sich am Markt wieder Skepsis breitgemacht, berichteten Händler. In der Opec seien beschlossene Fördergrenzen in der Vergangenheit immer wieder missachtet worden.

Rohstoffexperten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben berechnet, was eine strikte Umsetzung der Vereinbarung bedeuten würde. Sollte die Fördergrenze in der ersten Hälfte 2017 strikt eingehalten werden, könnte dies die Ölpreise um 7 bis 10 Dollar steigen lassen, schrieben die Analysten. «Die überraschende Einigung sollte nicht überbewertet werden», betonten allerdings Experten der Privatbank Metzler.

Weiterhin Überangebot

Es gebe weiterhin ein weltweites Überangebot an Öl. Dafür sorgten der wichtige Ölförderer Russland und die Fracking-Industrie in den USA. Für eine spürbare Reduzierung des Angebots müssten neben der Opec auch andere wichtige Akteure eingebunden werden. Denn eine Folge steigender Ölpreise könne auch sein, dass sich die Öl-Produktion von Staaten, die nicht der Opec angehörten, schneller erholen, schreiben etwa die Analysten der Commerzbank in einer Studie. Vor allem für Förderfirmen aus den USA rechnet sich die Produktion bei einem Anstieg der Ölpreise wiede.

Nicht-Opec-Mitglied Russland will seine Ölfördermenge nicht drosseln. Das Volumen solle auch weiterhin auf dem jetzigen Stand bleiben, kündigte Energieminister Alexander Nowak am Donnerstag an. Er sagte aber auch, Russland sei bereit, Vorschläge der Opec zu einem gemeinsamen Vorgehen auf dem Öl-Markt zu prüfen.

Dialog mit Nicht-Opec-Staaten

Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa sprach hingegen von einer «historischen Vereinbarung», die zur Stabilisierung der Märkte beitragen werde. «Diese Entscheidung ermöglicht der Opec wieder, ihre historische Rolle als Marktregulator einzunehmen.» Das Kartell wolle auch den Dialog mit Nicht-Opec-Staaten suchen und für eine gemeinsame Marktstabilisierung sorgen, betonte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Mazrouei, über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Boutarfa hatte vor dem Treffen deutlich gemacht, dass ein Preis von im Schnitt unter 50 US-Dollar pro Barrel Öl nicht tragbar sei und den Markt und die Versorgungssicherheit mittel- bis langfristig gefährde. Seit Mitte 2014 liegen die Ölpreise auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Zwischenzeitlich erholten sie sich zwar etwas. Insgesamt machen die geringen Notierungen, von denen Konsumenten bei Benzin oder Heizöl profitieren, etlichen Förderländern und Förderunternehmen aber weiter stark zu schaffen.

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