5.04.2016 09:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Neuseeland
NZ: Nüchterner Blick auf globale Agrarmärkte nötig
Für mehr Pragmatismus im Agrarsektor hat sich der Sondergesandte der neuseeländischen Regierung für den Agrarhandel, Mike Petersen, ausgesprochen. Er erklärte mit Blick auf die derzeitige Milchkrise gegenüber Agra-Europe, es nütze nichts, mehr Absatzmöglichkeiten für die Produkte zu fordern, wenn es die globale Lage nicht hergebe.

Man müsse diese anerkennen und sich an den gegenwärtigen Möglichkeiten orientieren. Die schwächere Nachfrage aus China und das Handelsembargo Russlands machten den neuseeländischen Milchproduzenten ebenso wie den europäischen zu schaffen. Mittel- bis langfristig rechnet aber auch Petersenmit einer steigenden globalen Nachfrage nach Milch und Milchprodukten und damit verbunden mit höheren Preisen.

Grosse Bedeutung der Exportmärkte

Den möglicherweise bis dahin beschleunigten Strukturwandel sieht er nicht als problematisch an. Vor allem Asien stehe weiter im Fokus der neuseeländischen Exportbemühungen, stellte Petersen fest. Die deutsche und übrige europäische Konkurrenz sieht der Sondergesandte mit Blick auf Asien in einer anderen Liga spielen, da diese im Gegensatz zu Neuseeland vor allem mit hochveredelten Produkten und Spezialitäten die dortigen Absatzmärkte eroberten.

Neuseeland könne dagegen vor allem die geografische Nähe und die gewachsenen Beziehungen zu den Ländern ausspielen. Neben der Milch lenkte der Sondergesandte den Blick auch auf die weiteren Exportschlager Neuseelands wie beispielsweise Lammfleisch, Kiwis und Äpfel. Er hob die grosse Bedeutung der Exportmärkte für die neuseeländische Landwirtschaft hervor, nicht nur im Milchbereich.

EU-Gespräche innerhalb eines Jahres

Petersen unterstrich, dass Neuseeland weiter auf allgemeinen Handelsvereinbarungen innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) setze. Dennoch müsse man den Realitäten ins Auge blicken und an bi- oder multilateralen Handelsabkommen auf regionaler Ebene arbeiten. Nach den erfolgreichen Verhandlungen zur Transpazifischen Partnerschaft (TPP) zwischen den USA, Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Peru, Singapur, Vietnam und seinem Land hofft der Neuseeländer nun auf schnelle Fortschritte bei den geplanten Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union.

Trotz der derzeitigen hitzigen Diskussion über die geplante Transatlantische Freihandels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der EU und den USA rechnet er mit einem Beginn der Verhandlungen zwischen Neuseeland und der Europäischen Union innerhalb eines Jahres. In Petersens Augen war die Abkehr Neuseelands von der Subventionspolitik im Agrarbereich vor 30 Jahren der richtige Schritt. Dieser habe die Landwirte an den Markt gebracht, was sich jetzt als günstig erweise. Dadurch entstandene Strukturverwerfungen wertet der Sonderbeauftragte dagegen als letztlich eher unerheblich.

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