13.06.2016 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Deutschland
Nur Bares ist Wahres
Das Aus für den 500-Euro-Schein ist beschlossen. Mancher deutsche Konsument betrachtet die jüngste Weichenstellung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sorge. Denn gerade in Deutschland sind Schein und Münze äusserst beliebt. Alternativen wie das mobile Bezahlen per Smartphone oder Computer-Uhr sind nach wie vor unpopulär.

«Bis es soweit ist, dass Konsumenten eher das Smartphone als die Banknote und die Münze zum Bezahlen an der Ladenkasse nutzen, wird noch einige Zeit vergehen», beschreibt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele die deutsche Realität.

79 Prozent der Transaktionen in bar

Während viele Schweden und Dänen längst mit Karte oder mobil via App mit ihrem Handy bezahlen - egal ob auf dem Flohmarkt, im Taxi oder in der Kneipe - vertrauen die Menschen in Deutschland weiterhin vor allem auf Schein und Münze: Bei 79 Prozent der Transaktionen wird bar gezahlt, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel in Deutschland werden mit Bargeld abgewickelt.

In einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gab Anfang dieses Jahres nur jeder Dritte (30 Prozent) der 1035 repräsentativ befragten Erwachsenen in Deutschland an, er habe schon mal bargeldlos mobil bezahlt. Neun von zehn Deutschen (85 Prozent) sehen demnach die Gefahr, bei mobilen Bezahlverfahren könnten Daten gehackt und missbraucht werden.

Datenschutz

Überzeugte Barzahler dagegen schätzen es, dass sie einen genaueren Überblick über ihre Ausgaben haben und sich beim Bezahlen keine Sorgen über Datenschutz machen müssen. Somit darf bezweifelt werden, ob Deutsche-Bank-John Cryan mit seiner steilen These vom Jahresanfang recht behalten wird: Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Denn: «Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient», befand der Brite.

In der Tat ist die Bargeldversorgung durchaus aufwendig. Im Jahr 2015 zahlte die Bundesbank insgesamt rund 498 Milliarden Euro in Form von Banknoten und gut 3,8 Milliarden Euro in Form von Münzen aus. Zurück kamen von den Geschäftsbanken rund 453 Milliarden Euro in Scheinen und knapp 3,5 Milliarden Euro in Münzen.

Grosser Aufwand für Bargeld

Acht bis elf Mal pro Jahr wird eine im Umlauf befindliche Banknote von der Notenbank auf Echtheit und Qualität geprüft. Scheine, die stark beschädigt sind, werden aus dem Verkehr gezogen. 2015 bearbeitete die Bundesbank 15 Milliarden Banknoten, eine Milliarde Stück wurde geschreddert.

Trotz des Aufwands betonen Deutschlands Währungshüter: «Die Bundesbank bekennt sich weiterhin klar zum Bargeld.» Die Notenbank will den Verbrauchern nicht vorschreiben, wie sie zu zahlen haben - und versichert: «Der Produktionsstopp für die 500-Euro-Banknote ist kein Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes.» Anfang Mai hatte die EZB beschlossen, dass die Ausgabe der grössten der sieben Euro-Banknoten «gegen Ende 2018» eingestellt wird. Befürworter versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden.

Bargeld soll nicht abgeschafft werden

Die im Umlauf befindlichen 500er bleiben aber gesetzliches Zahlungsmittel und sollen unbegrenzt umtauschbar sein. Doch bereits jetzt trennen sich viele Bürger von den grossen Scheinen: Von der Möglichkeit zum Umtausch werde rege Gebrauch gemacht, heisst es in Finanzkreisen.

EZB-Präsident Mario Draghi persönlich sah sich genötigt, die Wogen zu glätten: «Unsere Entscheidungen zum 500-Euro-Schein haben nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun mit der Abschaffung oder der möglichen Abschaffung von Bargeld», betonte Europas oberster Währungshüter Anfang Juni. Im Gegenteil: Die zweite Generation der Euro-Banknoten mit überarbeiteten Sicherheitsmerkmalen soll wie geplant auch 100er- und 200er-Scheine enthalten.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE