14.10.2013 08:27
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Russland
Moskau greift Milchbauern stärker unter die Arme
Die russische Regierung ist zu einer stärkeren Unterstützung der Milchviehbetriebe bereit. Wie Ministerpräsident Dmitrij Medwedew am Dienstag vergangener Woche bei einer in der Provinz Woronesch durchgeführten Beratung zur Entwicklung der Milchviehhaltung ankündigte, soll die Mehrwertsteuer auf Importe von Zuchtrindern demnächst aufgehoben werden.

Damit reagierte der Regierungschef auf eine entsprechende Forderung des Provinzgouverneurs und ehemaligen Landwirtschaftsministers Alexej Gordejew. Die Haushaltseinnahmen aus der 10-prozentigen Abgabe seien nicht so gross, und schliesslich werde angestrebt, den Bedarf an Zuchttieren später aus eigener Produktion decken zu können, erklärte Medwedew.

Zusätzliche Ausgaben

Ihm zufolge wird ausserdem eine Verlängerung der Laufzeiten für die Kreditverbilligung von acht auf 15 Jahre erwogen. Wie Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow dazu ergänzend feststellte, soll diese Massnahme auch rückwirkend Anwendung finden. Darüber hinaus dürften die Kreditbeihilfen von derzeit 80 auf 100 Prozent des Leitzinses der nationalen Zentralbank angehoben werden.

Die Umsetzung dieser Pläne würde laut Angaben Fjodorows allein in Bezug auf die laufenden Kredite bis 2020 zusätzliche Ausgaben aus dem zentralen Haushalt von 18,3 Mrd. Rubel (540 Mio. CHF) bedingen.

Selbstversorgungsgrad auf 90% erhöhen

Derzeit deckt Russland nach amtlicher Schätzung 79% seines Bedarfs anMilch und Milcherzeugnissen aus eigener Produktion. Für das Jahr 2020 werde ein Selbstversorgungsgrad von 90% angestrebt, hiess es bei der Beratung. In diesem Jahr zeichnet sich ein leichter Rückgang der Rohmilchproduktion ab, was Fjodorow insbesondere auf die Verteuerung der Futtermittel zurückführte. Allerdings erwartet der Minister in den Winter- und Frühjahrsmonaten aufgrund der nun wieder besseren Versorgungslage eine Steigerung der Produktion.

Mit etwa 32 Mio. t blieb das Rohmilchaufkommen 2012 um 5 Mio. t unter der vor einigen Jahren festgelegten Planmenge. Das neue, seit 2013 umgesetzte Landentwicklungsprogramm sieht für 2020 eine Produktion von 38 Mio. t vor. In den vergangenen fünf Jahren wurde die Milchviehhaltung mit staatlichen Beihilfen von insgesamt rund 100 Mrd. Rbl (3 Mrd. CHF) unterstützt. In dieser Zeit wurden gut 400 neue Produktionsanlagen errichtet und rund 1'300 Stallanlagen modernisiert. Dennoch wird noch immer gut die Hälfte der vermarkteten Rohmilch in veralteten Stallanlagen erzeugt.

480 Mio. Fr. für 2013

Dieses Jahr sind zur Unterstützung der Milchviehbetriebe gut 16 Mrd. Rbl (480 Mio. CHF) einschliesslich des nachträglich beschlossenen Ausgleichs für die höheren Futtermittelkosten geplant. Mehr als 80% der Zuschüsse werden gemäss der neuen Förderungsart pro Liter vermarkteter Rohmilch bestimmter Qualität gewährt.

Bei der Beratung wurden unter anderem die umfangreichen Einfuhren von Milchprodukten aus Weissrussland beklagt. Die Produktion
dort werde stärker subventioniert.

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