22.03.2013 08:49
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Misswirtschaft von Wasser und Holz wegen zu kleiner Strukturen
Abwasser, Trinkwasser, Hochwasserschutz: Viel Geld und Zeit geht verloren, weil zu viele Stellen für die Wasserwirtschaft zuständig sind. Dies ist der Schluss eines Nationalfondsprojekts. Am gleichen Problem krankt auch die Holzwirtschaft, wie eine weitere Forschungsarbeit aufzeigt.

Manche Beispiele erinnern an Schildbürgerstreiche: Drei Kläranlagen in einer Region werden für viel Geld auf den neusten Stand gebracht, obwohl eine allein das gesamte Abwasser aller beteiligten Gemeinden bewältigen könnte. Oder Massnahmen zum Hochwasserschutz am einen Ort führen zu Überschwemmungen weiter unten im Tal.

Solche Fehlplanungen verschwenden Zeit und Geld. Mit einer besseren Zusammenarbeit liessen sich die Wasserressourcen effizienter und kostengünstiger verwalten, argumentieren Forschende in dem am Freitag veröffentlichten Schlussbericht zum Projekt «Auf dem Weg zu einer integrierten Wasserwirtschaft».

Leidensdruck noch zu klein

Dennoch geschehe dies häufig nicht. «Noch ist der Leidensdruck vielerorts zu klein», sagte Mitautor Felix Walter vom Beratungsbüro Ecoplan der Nachrichtenagentur sda. Die zukünftigen Probleme im Zusammenhang mit dem Klimawandel wie häufigere Hochwasser und Trockenheit erforderten jedoch effizientere Strukturen.

Für die Bewirtschaftung des Wassers sind in der Schweiz verschiedene Bundes-, Kantons- und Gemeindebehörden zuständig, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung schreibt. Deshalb halte sich der Bund mit Vorgaben zurück, erklärte Walter.

Schwachstellen analysiert

Wissenschaftler des Wasserforschungsinstituts Eawag, der ETH Zürich und von mehreren privaten Planungs- und Ingenieurbüros hätten deshalb die «Schwachstellen im heutigen Zustand analysiert», erklärt Walter. Die Arbeit fand im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Wassernutzung» (NFP 61) statt.

Im Schlussbericht schlagen sie vor, wie der Weg zu einer besser integrierten Wasserwirtschaft aussehen könnte. Vorbild könnte zum Beispiel das Val-de-Ruz zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds sein. Das Tal litt vor einigen Jahren unter Wassermangel und einer schlechten Wasserqualität. Die Verantwortung teilten sich 22 Gremien.

Anfang 2011 wurden die meisten Aufgaben einer neuen Trägerschaft übergeben - eine Pionierlösung in der Schweiz. Die Wasserqualität verbesserte sich, und die Talschaft spart pro Jahr rund drei Millionen Franken ein.

Impuls vom Bund

Damit solche Beispiele Schule machen, brauche es auch einen Impuls vom Bund, sagte Walter. Zwecks besserer Akzeptanz schlagen die Forschenden ein gestaffeltes Vorgehen vor: Der Bund arbeitet eine nationale Wasserstrategie aus, die festlegt, in welchen Fällen ein integriertes Wassermanagement eingeführt werden muss.

Die Kantone stellen dann fest, in welchen ihrer Wassereinzugsgebiete das Management angezeigt wäre. «Integration ist kein Selbstzweck», zitiert die Mitteilung Projektleiter Bernhard Truffer vom Wasserforschungsinstitut Eawag. «Es geht darum, die Ziele im Einzugsgebiet möglichst effizient und kostengünstig zu erreichen.»

250'000 Waldbesitzer

Das gleiche Strukturproblem hat die Holznutzung. Dies haben Ökonomen der Uni Neuenburg im Vorfeld einer neuen Studie beobachtet. 70 Prozent der Schweizer Waldfläche sind in öffentlicher Hand, der Rest teilt sich auf über 250'000 Privatbesitzer auf. Dieser Teil bleibe weitgehend ungenutzt, schreibt die Hochschule in einer Mitteilung.

Dazu kommt, dass für die Umsetzung des Waldgesetzes die Kantone und Gemeinden zuständig sind. So entgehen der Schweiz pro Jahr zwei Millionen Kubikmeter Nutzholz, glauben die Forscher um Alain Schönenberger von Institut für ökonomische Forschung. Sieben statt derzeit fünf Millionen Kubikmeter könnten nachhaltig gewonnen werden.

Das Neuenburger Team untersucht bis zum Jahr 2015 im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Ressource Holz» (NFP 66), wie der Holzsektor effizienter gestaltet werden könnte.

Das Wasser-Projekt wurde am Freitag an der Tagung «Wasser überwindet Grenzen - Beispiele und Chancen der Zusammenarbeit in der Schweiz» in Bern vorgestellt. Die Veranstaltung fand zum Auftakt des UNO-Jahres der Wasserkooperation statt.

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