5.01.2014 09:09
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchwirtschaft kann auf ein weiteres gutes Jahr hoffen
Die Milchbauern und die Molkereien in Deutschland können auf ein weiteres gutes Jahr hoffen. Nach Einschätzung des Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) in Kiel verspricht 2014 eine weiterhin günstige Entwicklung des Milchmarktes, was die Preise betrifft, nachdem mit 2013 „ein schon erfolgreiches Jahr“ für die Milchwirtschaft zu Ende gegangen ist.

Die in Deutschland produzierenden Molkereien dürften die 2013 übertroffene Rekordmarke von 25 Mrd. Euro (30,5 Mrd. Fr.) Umsatz zumindest halten, wenn nicht noch weiter übertreffen können, so die Prognose des ife-Vorsitzenden Erhard Richarts und des ife-Geschäftsführers Holger Thiele. In allen Bereichen hätten sich deutlich höhere Preise durchgesetzt. Ausserdem sei mit mehr an Molkereien gelieferter Milch zu rechnen, stellen die Milchmarktexperten in ihrem aktuellen „Dairy Newsletter“ fest.

Verkäufermarkt

Die internationalen Märkte, die 2013 immer deutlicher die Merkmale eines Verkäufermarktes zeigten, sind laut ihrer Darstellung noch immer fest gestimmt, und diese Grundtendenz dürfte auch zumindest zu Beginn des neuen Jahres anhalten. Ob es im weiteren Verlauf von 2014, abgesehen von saisonalen Schwankungen, zu einer fundamentalen Wende am Milchmarkt kommen wird, dürfte sich Richarts und Thiele zufolge erst später erkennen lassen.

Mit dem voraussichtlich wachsenden Rohmilchangebot wird die Europäische Union 2014 den Experten zufolge allerdings auch mehr an Milchprodukten exportieren können. 2013 war sie wegen der im Zeitraum von Mitte 2012 bis Mitte 2013 erfolgten Drosselung der Milcherzeugung nicht in der Lage, alle Nachfragen zu bedienen.

Erlös der Milchbauern um 17 Prozent gestiegen

Wie Richarts und Thiele zu 2013 berichten, lieferten die deutschen Milcherzeuger erstmals mehr als 30 Mio. t Milch an die Molkereien ab und erzielten dabei einen Rekorderlös von etwa 11,3 Mrd. Euro (13,8 Mrd. Fr.), was gegenüber 2012 ein Plus von 17% bedeutete. Pro Kilogramm Rohmilch erhielten die Landwirte im Jahresdurchschnitt nach vorläufiger Schätzung um die 0,38 Euro (47 Rp.). Den deutschen Molkereien standen zusätzlich gut 1 Mio. t Rohmilch von Erzeugern aus benachbarten EU-Mitgliedstaaten und aus Zukäufen von EU-Molkereien zur Verfügung.

Positiv für die Auslastung der Kapazitäten wirkte sich die expansive Entwicklung der Anlieferungen in der zweiten Jahreshälfte aus. Dies war laut Richarts und Thiele sowohl der verbesserten Futtersituation bei den Milchviehbetrieben als auch den für die Erzeuger attraktiveren Preisen zuzuschreiben. Das Wachstum der Milchmengen konzentrierte sich vor allem auf den Norden und Westen der Bundesrepublik, also Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Deutsche Milchproduktion hob sich ab

Zur aktuellen Lage in den Milchviehbetrieben halten Richarts und Thiele fest, dass die Grundfutterversorgung für den Winter zwar nicht üppig sei, doch die höheren Milchpreise und der Rückgang der Preise für energie- und proteinreiche Futtermittel Produktionsanreize böten. Allerdings könne es im Frühjahr zu einer Drosselung der Milchanlieferungen kommen, weil sich in einigen EU-Mitgliedstaaten, darunter auch in Deutschland, schon jetzt ein Überschreiten der in ihrem vorletzten Jahr immer noch gültigen nationalen Milchquoten abzeichne, so die ife-Fachleute.

Ihnen zufolge hatte sich Deutschland mit der Steigerung der Milcherzeugung schon im vergangenen Kalenderjahr von der Entwicklung in der Europäischen Union abgehoben, denn in der Gemeinschaft ohne Kroatien nahm die an Molkereien gelieferte Milchmenge lediglich um 0,6 Mio. t auf 140,9 Mio. t zu, was kaum mehr als der in Deutschland verzeichneten Zunahme entsprach. Nachdem bis zur Jahresmitte 2013 weniger Rohmilch als 2012 geliefert worden war, zeigten sich in einigen Mitgliedsländern teilweise kräftigere Expansionstendenzen als im Bundesgebiet.

Jedoch war laut ife-Angaben im Endergebnis nur in den Niederlanden und Dänemark das Wachstum stärker als in Deutschland ausgeprägt. In anderen EU-Staaten, darunter Frankreich und Grossbritannien, blieben die Liefermengen zunächst beträchtlich hinter dem Niveau von 2012, und diese Rückgänge wurden durch die später einsetzende Expansion auch nicht mehr ausgeglichen.

Starke Nachfrage vom internationalen Markt

Der im Jahr 2013 verzeichnete Anstieg der Preise für Molkereierzeugnisse und im Nachgang für Rohmilch hat laut Angaben von Richarts und Thiele wenig mit der Nachfrage der deutschen beziehungsweise europäischen Verbraucher zu tun. Bei einem ohnehin schon hohen Niveau seien keine Zuwächse zu erwarten, wohl kaum in Zeiten steigender Verbraucherpreise und erst recht nicht in den von der Finanzkrise gebeutelten EU-Mitgliedstaaten, so die Kieler Milchmarktexperten.

Treibende Kraft für die Bewegung der Preise auf historische Höchststände sei vielmehr die starke Nachfrage vom internationalen Markt gewesen, die von einem offensichtlich sich noch beschleunigendem Verbrauchswachstum in Schwellenländern getragen worden sei. Auch wenn die als Rohstoffe angesehenen Industrieprodukte aus Milch nachgeben sollten, wird Richarts und Thiele zufolge noch einige Zeit vergehen, bis das Frische- und das Käsesortiment und schliesslich auch die Milchauszahlungspreise folgen.

Auch in der Aufwärtsphase der Rohstoffe sei das so gewesen. Allerdings hätten Anfang 2013 die Milchauszahlungspreise, anders als sonst, nur geringfügig nachgegeben. Die übliche saisonal bedingte Abwärtsbewegung sei schon im Frühjahr nicht mehr erkennbar gewesen. Eine Besonderheit wies 2013 nach Darstellung der ife-Fachleute auch die Preisentwicklung von Milcherzeugnissen weltweit und in der EU auf: In der zweiten Jahreshälfte, als bei anderen agrarischen und sonstigen Rohstoffen einschliesslich Erdöl ein Preisverfall einsetzte, legten die Preise für Milchprodukte noch weiter zu.

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