20.03.2018 14:57
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Milchmarktkrise: Hilfspaket nahezu wirkungslos
Ernüchternd fällt die wissenschaftliche Evaluierung des im Herbst 2016 im Zuge der Milchmarktkrise von der Europäischen Kommission beschlossenen Hilfspakets für die Milcherzeuger aus. Nach einer Studie des Thünen-Instituts (TI) für Marktanalyse war die Wirkung des EU-Milchmengenreduktionprogramms und der Milchsonderbeihilfe mit Mengendisziplin nur gering.

Die Wissenschaftler Dr. Sascha A. Weber und Andrea Rothe kommen in ihrer über 100-seitigen Publikation zu dem Schluss, „dass der Milchmarkt und seine Kräfte prinzipiell auch ohne staatliche Eingriffe funktionieren“.

Bauern haben bereits vorher reagiert

Bereits vor Inkrafttreten der Hilfsmassnahmen hätten die deutschen Milcherzeuger auf das niedrige Preisniveau am Milchmarkt reagiert und ihre Erzeugung eingeschränkt. Nachdem allmählich eine Markterholung eingesetzt habe, sei es offenbar für viele Milchbauern betriebswirtschaftlich sinnvoller gewesen, ihre Erzeugung nicht einzuschränken beziehungsweise nicht stabil zu halten. Dies war aber die Voraussetzung, um in den Genuss der Beihilfen zu kommen. 

Lediglich 7,9% der deutschen Milcherzeuger hätten an beiden Massnahmen teilgenommen, stellen Weber und Rothe fest. „Gemessen an der geringen
Teilnahmebereitschaft und dem marktkonformen Verhalten der Milchbauern stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit politischer Eingriffe in den Markt“, heisst es in der Analyse der Braunschweiger Wissenschaftler.

Teilnahme in Bayern sehr niedrig

Nach der Thünen-Analyse haben in Deutschland 13,4% der Milcherzeuger an der Milchmengenverringerungsmassnahme teilgenommen. Überraschend sei die Teilnahmebereitschaft der bayerischen Milcherzeuger deutschlandweit nach Hamburg am geringsten gewesen. Massgeblich zur Verringerung der
deutschen Milchmenge um rund 28% im Rahmen dieser Massnahme hätten grössere Milchviehbetriebe in Ostdeutschland beigetragen. Als gravierend erscheint der Studie zufolge zudem das Problem der Mitnahmeeffekte. 

Annähernd 40% der tatsächlichen Milchmengenverringerung in Deutschland sei durch die Aufgabe der Milcherzeugung erzielt worden. Mit rund 8,8 Mio. Euro seien etwa 28% der mit dieser Massnahme ausgezahlten Beihilfe an aussteigende Betriebe gegangen.

Preissignale des Marktes stärker

Rund 35% der deutschen Milcherzeuger haben sich laut der Thünen-Studie an der Milchsonderbeihilfe mit Mengendisziplin beteiligt. Angesichts der teilweise emotionalen öffentlichen Diskussion über die schwierige finanzielle Situation vieler Milcherzeuger erscheine dieser Anteil gering. Für Weber und Rothe ist das angesichts der niedrigen Ausgangsvoraussetzung zur Teilnahme verwunderlich. Die Milchsonderbeihilfe sei direkt auf die Milchmengenverringerungsmassnahme gefolgt, bei der die Menge bereits habe reduziert werden müssen.

Eine Beibehaltung der Milchmenge hätte nach Einschätzung der Autoren den Erzeugern eigentlich leicht fallen müssen. Offenbar hätten die Preissignale des Marktes die Mehrzahl der Milchbauern jedoch dazu bewogen, eher von den wieder Marktpreisen zu profitieren als ihre Menge konstant zu halten und so in den Genuss der Milchsonderbeihilfe zu kommen.

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