19.02.2017 11:52
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Russland
Milchmangel in Russland
Während der russische Geflügel- und Schweinesektor seit Jahren die gewünschten Produktionszuwächse liefert und dadurch die Importabhängigkeit abgenommen hat, tut sich der Milchbereich mit solch einer Entwicklung schwer.

Wie der erste stellvertretende Agrarminister Dshambulat Hatuow gegenüber der Zeitung «Iswestija» einräumte, beläuft sich das Milchdefizit aktuell auf etwa 7 Mio t im Jahr, was etwa 23% des Bedarfs entspreche. Kurzfristig sei kaum eine wesentliche Änderung zu erwarten, denn die russische Milchkuhherde sei im vergangenen Jahr um weitere 158'000 Tiere abgestockt worden. Hatuow erklärte den rückläufigen Bestand mit der niedrigen Rentabilität der Milcherzeugung.

Nach seinen Berechnungen liegt diese nur bei 7%, während in anderen Bereichen des Agrarsektors durchschnittlich 20% erreicht würden. Diese Situation bewirke, dass ineffektive Betriebe aufhörten und durch das knappere Angebot die Preise für Rohmilch sowie deren Erzeugnisse auf Verbraucherstufe stiegen. Dem Moskauer Institut für Agrarmarktkonjunktur (IKAR) zufolge haben sich die Milcherzeugerpreise im vergangenen Jahr gegenüber 2015 um 14% erhöht. Hatuow schätzt, dass sie 2017 um weitere 10% anziehen.

Um diesen Trend umzukehren, will das Landwirtschaftsministerium bis 2020 das Milchdefizit um 5 Mio t reduzieren, indem der Aufbau von 800 neuen Milchbetrieben finanziert wird. Der Plan ist, die russische Milcherzeugung innerhalb des genannten Zeitraums von zuletzt 30,6 Mio t auf 35,7 Mio t zu steigern. Zusätzlich will das Agrarressort die technische und technologische Modernisierung der Milchbranche vorantreiben.

Darüber hinaus soll bis Ende diesen Jahres ein neuer Standard für Milcherzeugnisse eingeführt werden, gemäss dem Produkte mit einem Anteil von mehr als 50 % Pflanzenfett nicht mehr als «Milchprodukte» sondern als «milch- und pflanzenhaltige» Produkte gekennzeichnet werden müssen. Erzeugnisse, die weniger als 5 % Milchfett enthalten, sollen als «Analog-Produkte» etikettiert werden. Marktbeobachtern zufolge sind gegenwärtig viele Milcherzeugnisse mit nicht deklarierten, preiswerten Pflanzenfettanteilen auf dem Markt, wodurch die Verbraucher getäuscht würden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE