3.07.2016 13:38
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchkrise: Minister appelliert an Handel
Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat an den Detailhandel, namentlich an die Branchenriesen Aldi, Lidl, Edeka und Rewe appelliert, ihre laufenden Lieferverträge rasch zugunsten der Molkereien beziehungsweise Milchbauern nachzubessern.

„Namhafte Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels haben mir mehrfach signalisiert, dass sie sich ihrer Verantwortung gegenüber den Milchbauern bewusst sind. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden“, heisst es in einem Schreiben des Ministers an die betreffenden Unternehmen.

Im Interesse des Handels

„Mit der Nachverhandlung leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um die schwierige Situation unserer Milcherzeuger sofort und nachhaltig zu verbessern“, so der Minister. Laut Brunner muss es auch im Interesse des Handels liegen, die bäuerliche Milchviehhaltung, wie sie gerade Bayern idealtypisch repräsentiere, in ihrer ganzen Vielfalt zu erhalten. Wenn das anhaltende Tief der Produzentenpreise immer mehr Milchbauern zum Aufgeben zwinge, würden auch die von den Konsumenten immer stärker nachgefragten Lebensmittel aus regionaler Produktion immer knapper.

Nach Aussage des Ministers weisen die nationalen und internationalen Preisindizes seit kurzem auf eine punktuell beginnende Erholung des Milchmarktes hin, insbesondere bei Milchfett und Milchpulver. Der Detaillhandel habe darauf bereits mit einer deutlichen Anhebung des Butterpreises für die ab Juli laufenden Kontrakte reagiert. Bei Milch, Joghurt und Käse liefen die schon im Frühjahr ausgehandelten Kontrakte dagegen noch bis Herbst.

Kartellamt in die Mangel nehmen

Der agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Freien Wähler, Leopold Herz, erklärte, es sei „schön und gut“, wenn Minister Brunner aufgrund der Milchkrise nun Druck auf die Discounter ausübe. Doch die CSU-Fraktion verweigere ihrem Minister die Gefolgschaft. Alle Anträge seiner Fraktion zur Bewältigung der Milchkrise seien im bayerischen Landtag von der CSU abgelehnt worden, berichtete Herz.

So habe weder eine Reduzierung der Milchmenge noch die Kontrolle der Discounter durch das Bundeskartellamt erreicht werden können. Herz kritisierte, viel zu lange schon könnten die Lebensmittelriesen den Markt ungehemmt dominieren. Die CSU müsse jetzt von Bayern aus das Kartellamt in die Mangel nehmen, um endlich gegen die desaströs niedrigen Milchpreise vorzugehen.

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