31.03.2020 17:20
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Irland
McDonald's-Schliessung: Bauern wollen Hilfen
Alle Schnellrestaurants in Grossbritannien und Irland wurden wegen der Corona-Krise geschlossen. Der irische Bauernpräsident Tim Cullinan befürchtet Druck auf den Rindfleischmarkt. Er fordert deshalb Unterstützung für die Landwirte. In Irland wurden auch die Viehmärkte geschlossen.

Nachdem McDonald’s sämtliche 1'270 Filialen im Vereinigten Königreich und Irland - wie andere Fastfoodketten auch - vergangene Woche wegen der Corona-Krise vorläufig geschlossen hat, fordert der irische Bauernverband (IFA) Unterstützung von Agrarminister Michael Creed und von der Europäischen Kommission. 

Irland: „Schwerer Schlag“ für Landwirte

Wie IFA-Präsident Tim Cullinan erklärte, wird die Schliessung der Schnellrestaurants den Druck auf den Rindfleischsektor erhöhen und bedeutet einen „schweren Schlag“ für die Landwirte. Cullinan verlangt unter anderem Anpassungen bei den EU-Lagerkostenbeihilfen und bei der Intervention. Ferner sollten alle Drittlandsimporte von Rindfleisch ausgesetzt werden.

Die EU-Regeln für staatliche Beihilfen müssten angepasst werden, um der Dubliner Regierung mehr Flexibilität bei der Unterstützung der Farmer zu geben. Mitunter seien zusätzliche Direktbeihilfen zum Ausgleich der Einbussen am Rindfleischmarkt dringend notwendig. Eine verzögerte Auszahlung der Direktzahlungen infolge zeitraubender Kontrollen sei zu vermeiden.

GB: Tiefer Selbstversorgungsgrad

Unterdessen wies der britische Verband der Rinderhalter (NBA) darauf hin, dass der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch im Vereinigten Königreich unter der Marke von 70% liege. Rindfleisch, das jetzt nicht mehr über McDonald’s vermarktet werden könne, werde nun über andere Absatzkanäle untergebracht. McDonald’s gibt jährlich schätzungsweise 600 Mio. Pfund (717 Mio. Fr.) für den Einkauf von Agrarprodukten im Vereinigten Königreich und Irland aus.

Dort deckt sich das Unternehmen ausschliesslich mit Rindfleisch aus heimischer Produktion ein. Anfang vergangener Woche hatte die Kette noch ihre Drive-in-Restaurants und Take-Away-Verkaufsstellen geöffnet. Deren Schliessung erfolgte nun auf Anweisung von Premierminister Boris Johnson vom vorvergangenen Freitag. Vorher hatte die Kette bereits ihre Schnellrestaurants zugemacht.

Viehtransporte weiter möglich

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzugrenzen, hat Irlands Premierminister Leo Varadkar auch die landesweite Schliessung von Viehmärkten angeordnet. Diese trat vergangene Woche in Kraft und soll vorerst bis zum 19. April gelten. In einer ersten Reaktion zeigte sich Cullinan enttäuscht von dem Verbot, das eine weitere Erschwernis für die Vermarktung darstelle. Er wies jedoch darauf hin, dass Viehtransporte weiter möglich seien, was es ermögliche, alternative Vermarktungsmodelle aufzubauen.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass unser bestehendes Viehmarktnetzwerk den Mechanismus bieten kann, um die Fortsetzung des Handels zwischen Landwirten zu erleichtern und gleichzeitig die verschärften Beschränkungen einzuhalten“, erklärte Cullinan. Die Landwirte müssten aber vorsichtig sein und keine Vereinbarungen treffen, bei denen die Zahlung möglicherweise nicht gesichert sei.

Viehhandel übers Internet

Der Vorsitzende des Komitees der irischen Rinder- und Schafhalter (ICSA), Ger O’Brien, äußerte die Hoffnung, dass die Schliessung der Märkte nur für kurze Zeit erfolge. „Viehmärkte spielen eine wichtige Rolle in der irischen Landwirtschaft und sind eine wichtige Institution für die Festlegung eines fairen Preises für Landwirte“, betonte O´Brian. Normalerweise würden in den nächsten Wochen Tausende von Tieren in den lokalen Viehmärkten den Besitzer wechseln.

Insbesondere Landwirte, die Tiere nicht im grösseren kommerziellen Massstab veredelten, seien beim Verkauf von Beständen sehr auf diese Märkte angewiesen. Die landesweit mehreren Dutzend Märkte verfügten über Wiegeeinrichtungen und ein System, das Zahlungssicherheit biete. Da der der Verkauf von Farm zu Farm noch stattfinden könne, sei es wichtig, dass die Infrastruktur der Märkte unter Einhaltung von Biosicherheitsmassnahmen noch genutzt werden könne, um das Vieh zu wiegen und den Zahlungsverkehr abzusichern. O´Brian empfahl den Landwirten, auch die sozialen Medien oder das Internet für den Viehhandel zu nutzen. 


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