28.03.2016 07:20
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Marktgerechte Ausgestaltung von Milchlieferverträgen
Mehr Kreativität in den Lieferbeziehungen zwischen Milchproduzenten und Molkereien hat erneut der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, angemahnt.

Es gehe darum, den Spielraum für eine marktgerechte Ausgestaltung der Lieferverträge zu nutzen, sagte der Bauernpräsident vergangene Woche vor Journalisten in Berlin. Konkret sprach sich Rukwied für flexible Preisfindungsmodelle in Abhängigkeit von der Marktentwicklung aus. Dabei gehe es um eine differenzierte Bezahlung der monatlichen Milchanlieferungsmengen in Abhängigkeit von der jeweiligen Verwertung der Milch.

Abschläge auf Restmilch

Dies könnte dem DBV-Präsidenten zufolge bedeuten, dass eine Molkerei für einen bestimmten Anteil der angelieferten Milch einen auskömmlichen Preis bezahlt. Für die Restmenge, die aufgrund einer Überschusssituation am Markt nur zu schlechteren Bedingungen verwertet werden kann, müsste der Erzeuger Abschläge hinnehmen. Auf diese Weise könnten die Landwirte angemessen auf Marktsignale reagieren und ihre Milchliefermenge anpassen, erläuterte Rukwied.

Er riet den Milchproduzenten, die Diskussion darüber intensiv mit ihren Molkereien zu führen und verwies auf entsprechende Modelle in der Weinerzeugung, „die funktionieren“. Demgegenüber erteilte der Bauernpräsident Vorschlägen für eine privatwirtschaftliche Mengensteuerung über den Gesamtmarkt einmal mehr eine Absage.

Lösung der Milchkrise liegt im Markt

Voraussetzung dafür wären nach seinen Ausführungen Absprachen zwischen Molkereien in Europa, die untereinander im Wettbewerb stehen. „Ich halte das für illusorisch“, so Rukwied. Dies gelte auch für jede Form der staatlichen Mengenregulierung. Auch Agrarminister Christian Schmidt erteilte vermeintlich einfachen Lösungen zur Bewältigung der Milchmarktkrise eine Absage.

„Die Lösung der Milchkrise kann nur im Markt selbst und durch die Beteiligten gefunden werden“, erklärte der Minister am Dienstag vergangener Woche in Berlin. Nach seiner Überzeugung können weder die Europäische Union noch ein einzelner Mitgliedstaat einen globalen Markt durch europäische oder nationale Eingriffe lenken. „Wer dies verspricht, ist unredlich gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit“, warnte Schmidt.

Wirtschaftsbeteiligte in der Verantwortung

Der Minister sieht die Wirtschaftsbeteiligten auf allen Stufen in der Verantwortung, ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden. Ein ruinöser Mengenwettbewerb drücke immer mehr die Preise. Die Politik werde diesen Prozess im Rahmen ihrer Möglichkeiten begleiten, versicherte der CSU-Politiker. Erste Ergebnisse seien auf dem letzten EU-Agrarrat besprochen worden.

Beispielsweise wolle man den Erzeugern und Molkereien befristet die Möglichkeit geben, Vereinbarungen zur Angebotsmenge und deren Reduzierung zu treffen. Die einzelnen Molkereien müssten sich der Herausforderung stellen und gemeinsame Lösungen über die gesamte Branche finden. Dafür werde man die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Erneut sprach sich der Minister für weitere EU-Liquiditätshilfen zur Unterstützung der Betriebe aus.

Sein Ziel sei es, gerade mit der Milchproduktion eine flächendeckende Landbewirtschaftung aufrecht zu erhalten. Dabei sind aber auch die Bundesländer gefordert. Schmidt verwies auf die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) sowie die Fördermöglichkeiten in der Zweiten Säule, etwa über die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete.

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