6.08.2015 10:43
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Russland
Lebensmittelzerstörung: Russen empört
Joghurt aus Deutschland, Rotwein aus Italien oder Käse aus Frankreich: Russlands Wladimir Putin hat angeordnet, dass hunderte Tonnen vom Zoll entdeckter Lebensmittel aus dem Westen ab Donnerstag verbrannt werden - und damit eine Welle der Empörung losgetreten.

Auf der Kampagnenplattform change.org riefen allein am Mittwoch mehr als 200'000 Unterzeichner dazu auf, die Lebensmittel besser an Bedürftige zu verteilen.

Lebensmittel Bevölkerung abgeben

«Warum sollten wir Nahrungsmittel zerstören, die an Kriegsveteranen, Rentner, Behinderte, Grossfamilien oder Opfer von Naturkatastrophen verteilt werden können?» So lautet die Frage auf change.org, die an Putin und seine Regierung geschickt wird. Die vom Zoll beschlagnahmten Lebensmittel sollten dazu verwendet werden, die unter den wegen des Einfuhrverbots gestiegenen Preisen leidende Bevölkerung zu entschädigen, lautet die Forderung.

Regierungssprecher Dmitri Peskow sah sich zu einer Reaktion genötigt. Er stellte vor Journalisten in Moskau den Wert der Petition in Frage - die Unterzeichner würden nicht «nachvollziehbar identifiziert». Doch viele Kritiker der Aktion haben dies sehr wohl öffentlich getan. Unter ihnen ist der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Gennadi Sjuganow, der die Zerstörung von Lebensmitteln eine «extreme Massnahme» nannte.

In Ost-Ukraine einsetzen

Er schlug vor, die Nahrungsmittel der Orthodoxen Kirche zu geben, sie an Kinder- und Waisenheime zu verteilen. Auch «unsere Freunde in Donezk und Lugansk» in den von Russland besetzten Regionen in der Ost-Ukraine könnten die Lebensmittel brauchen.

Der Fernsehmoderator Wladimir Solowjow, normalerweise ein Freund der Regierung, schrieb auf Twitter, er könne nicht verstehen, dass ein Land, «das durch den grausamen Hunger während des Krieges und die schrecklichen Jahre nach der Revolution ging», Lebensmittel zerstören könne. Der Konsumentenanwalt Alischer Sachidow mahnte im Radiosender Kommersant FM, die Regierung solle auf die 18 Millionen Menschen schauen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. «Diese Menschen brauchen das Fleisch.»

Regierung will dem Schmuggel entgegentreten

Russland wird ab dem 6. August geschmuggelte Agrar- und Ernährungsgüter aus zahlreichen westlichen Ländern an seinen Landesgrenzen abfangen und vernichten. Das geht aus einem Erlass hervor, den der russische Staatspräsident Wladimir Putin vergangene Woche unterzeichnet hat.

Mit dem Erlass reagierte Putin auf eine Initiative des Moskauer Landwirtschaftsministeriums. Mit der Massnahme soll vor allem der Vermarktung von Erzeugnissen aus westlichen Ländern, die unter das Importverbot Moskaus fallen, entgegengewirkt werden. Es gehe um bedeutende Mengen, die als Transitware deklariert würden und dann in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels landeten, betonte das Ministerium.

Das Einfuhrverbot für eine Reihe von Agrar- und Ernährungsgütern aus der Europäischen Union sowie den USA, Kanada, Australien und Norwegen wurde im August 2014 in Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen beschlossen, die diese Länder wegen der Ukrainepolitik Moskaus verhängt hatten. Ende Juni 2015 verlängerte Moskau die Handelsbeschränkung bis zum 5. August kommenden Jahres.

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