2.12.2019 17:37
Quelle: schweizerbauer.ch - dts/blu
Deutschland
«Lebensmittel sind total entwertet»
Der Parteichef der Grünen in Deutschland, Robert Habeck, hat im Zuge der aktuellen Diskussion über das Agrarpaket der deutschen Regierung eine "totale Entwertung von Lebensmitteln" beklagt.

Dem Wert der Lebensmittel müsse man "wieder mehr Geltung verschaffen" und durch eine "neu justierte Marktwirtschaft" auch gesellschaftliche Güter - Wasser, Boden, Luft, Klima, Tierschutz - am Markt vergüten, sagte Habeck am Montag im Deutschlandfunk. Man brauche einen Anreiz im System, auch Tierschutz und Umweltschutz als Einkommen mitzudenken, und so einen Markt für Umweltdienstleistungen zu schaffen.

Pflicht, den Landwirten zu helfen

Gefordert sei die Politik, die Rahmenbedingungen zu verändern. "Daraus ergibt sich meiner Ansicht nach auch eine Pflicht, den Landwirten zu helfen", so Habeck. Die jüngsten Bauernproteste sieht er in Teilen als gerechtfertigt an. Die Landwirte seien in einer Situation, die wirklich schwierig sei. "Einerseits müssen sie in einem politisch gewollten System arbeiten, das von ihnen verlangt, immer intensiver zu wirtschaften, grosse Mengen zu billigen Preisen zu produzieren", sagte er zum Deutschlandfunk. Dies fordere die deutsche Agrarpolitik mit ihrer starken Exportorientierung.

"Andererseits weisen immer mehr Menschen darauf hin, dass die Tiere anders gehalten werden müssen, dass wir Gewässerschutzprobleme haben, Nitrat im Grundwasser finden, Artenrückgang haben durch intensiven Pflanzenschutzmittel- oder Pestizideinsatz", sagte der Parteichef. "Die Bauern werden quasi gezwungen, Vollgas zu geben", folgert er.

Systemwechsel gefordert

Man brauche eine Politik, die "Konsumenten, Tier- und Umweltschützer und Landwirte wieder versöhnt". Dies müsse aber eine andere Politik als die derzeitige sein, so Habeck. Die Umsetzung sei allerdings kompliziert, da "schon kleine Veränderungen die Leute auf die Barrikade bringen" und "die Emotionen so schnell zu Ideologien werden".

Unmittelbar vor dem Agrargipfel am Montag in Berlin hat Grünen-Chef Robert Habeck einen Systemwechsel in der Landwirtschaft gefordert. "Von den Steuermilliarden, die jährlich in die Landwirtschaft fliessen, müssen künftig jene Bauern profitieren, die mehr für Umwelt, Klima und Tierwohl tun", sagte Habeck den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Notwendig sei auch ein Umbauprogramm für die Tierhaltung. Es brauche "mehr Platz in den Ställen für weniger Tiere" und eine verbindliche Haltungskennzeichnung.

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