22.02.2020 10:44
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Österreich
Kritik: Spar nützt Marktmacht aus
Bei vielen Handelsketten hat bereits ein Umdenken begonnen: Sie erkennen den Mehrwert österreichischer Lebensmittel und zahlen auch dementsprechende Preise. Spar Österreich scheint die schwierigere Einkommenssituation der Bauernfamilien aber relativ kalt zu lassen.

"Dem Vernehmen nach sind die Gespräche bei den Milchpreisverhandlungen schwierig. Die Margen für Bauern und Molkereien sind so gering wie nie zuvor. Die Art und Weise, welche ausgerechnet die einzige österreichische Handelskette gegenüber Bauern und Verarbeitern an den Tag legt, ist für uns unverständlich. Grosse Marktmacht geht mit großer Verantwortung einher", betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser, er will von Spar nun Taten sehen. 

Verhandlungen zunehmend härter

"Aus Gesprächen mit den Molkereien ist zu vernehmen, dass die Verhandlungen zunehmend härter werden. Die österreichischen Milchbauern schaffen es trotz schwieriger werdenden Bedingungen, nachhaltiger zu wirtschaften als die Produzenten in den meisten anderen Ländern. Im Sinne einer nachhaltigen Kostenwahrheit müsste diese Mehrleistung auch in einem höheren Erzeugerpreis abgegolten werden. Beim Vergleich mit den deutschen Erzeugerpreisen zeigt sich allerdings, dass diese Kostenwahrheit nicht stattfindet", kritisiert Strasser. 

Handel spielt Bauern gegen Konsumenten aus 

Am Beispiel Milchprodukte sehe man, wie der Handel seine Stakeholder gegeneinander ausspielt. "Der Handel hat in den vergangenen zehn Jahren seine Spanne wesentlich erhöht. Die Preise für Bauern und Verarbeiter sind seit dieser Zeit aber gesunken. Hier schöpft nur der Handel kräftig ab, während Bauern, Verarbeiter und Konsumenten zur Kasse gebeten werden", so der Bauernbund-Präsident. "Aus meiner Sicht verpasst Spar mit seiner Billigpreis-Strategie die Chance, sich gegen eine agrarindustrielle und für eine bäuerliche Landwirtschaft und damit für unser schönes Land einzusetzen", stellt Strasser fest. 

"Unsere Bäuerinnen und Bauern geraten aufgrund stark steigender Produktionskosten und zunehmend volatiler Märkte immer mehr unter wirtschaftlichen Druck und sind daher auf faire Erzeugerpreise mehr denn je angewiesen. Für sie ist es daher eine Provokation, wenn manche Handelsketten ihren Produkten keine Wertschätzung entgegenbringen, aber sich gleichzeitig mit Alibi-Aktionen hübsche Nachhaltigkeits-Mascherl umbinden, während die Bauern das Nachsehen haben. Das werden wir nicht länger akzeptieren, schönen Worten müssen jetzt Taten folgen", fordert der Bauernbund-Präsident die "Bremser" bei den Supermärkten auf, endlich faire Erzeugerpreise zu ermöglichen und Schleuderpreis-Aktionen einzustellen. 

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