6.06.2014 08:19
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Krim
Krim: Den Bauern geht das Wasser aus
Auch zwei Monate nach der Eingliederung in das russische Territorium müht sich die Führung in Moskau, zumindest die Grundbedürfnisse ihrer neuen Bürger zu befriedigen. Vor allem Wasser und Strom erhält die Krim bisher grossteils aus der Ukraine.

Rohr für Rohr verlegen die Landarbeiter zur Bewässerung der staubigen Felder auf der Krim, seit vom ukrainischen Festland nicht mehr genügend Wasser auf die Halbinsel fliesst. Der Wassermangel ist nur ein Beleg für die logistischen Probleme, die Russland nach der Abspaltung der Krim von der Ukraine überwinden muss.

Bauern stellen Kulturen um

«Wir haben Brunnen gebohrt und nutzen Tröpfchenbewässerung - aber das Wasser reicht trotzdem nicht», klagt Wasili. Der stämmige Bauer versorgte seine 50 Hektar grossen Gemüsefelder bei Dschankoi bisher mit Wasser aus dem Dnjepr, das in einem Kanal über die Landbrücke von der Ukraine auf die Krim geleitet wird.

Er und andere Bauern haben ihre Felder auf genügsamere Früchte umgestellt, seit die Ukraine der Krim nach ihren Worten langsam den Wasserhahn zudreht. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew wirft der Ukraine vor, mit ihrer Wasserpolitik billig Rache zu nehmen. Die Behörden des Nachbarlandes dagegen erklären, das Wasser fliesse weiter in Richtung Krim. Sie sagen aber nicht, wie viel.

Wirtschaft in Schwung bringen

Für Russland steht viel auf dem Spiel. Das Land hat den Menschen auf der Krim Investitionen von umgerechnet bis zu fünf Milliarden Euro allein dieses Jahr versprochen, um ihre Wirtschaft in die russische zu integrieren und die moskaufreundliche Stimmung dort aufrechtzuerhalten. «Die Leute schauen optimistisch in die Zukunft», sagt Juri Korban, der Direktor eines Weinbau-Betriebes entlang der Küste. «Aber der russischen Führung ist völlig klar, dass die Verantwortung auf ihren Schultern lasten wird, falls die Wirtschaft auf der Krim stagniert».

Die russische Wirtschaft selbst steht schon jetzt am Rande der Rezession. Die Kapitalflucht hat zugenommen, seit die USA und die EU dem Land mit Wirtschaftssanktionen drohen. Nimmt man die Erfahrungen in der georgischen Region Südossetien als Beispiel, wo Russland nach dem Krieg 2008 die Kontrolle übernahm, dann liegt vor der Moskauer Führung noch ein langer und teurer Weg bis zur vollständigen Integration der Krim.

Eines der wenigen Druckmittel der Ukraine

Zwar gilt es als unwahrscheinlich, dass die Ukraine die Halbinsel einfach von der Wasser- und Stromversorgung abhängt. Aber etwa 80 Prozent des Trinkwassers und bis zu 90 Prozent des Stroms auf der Krim stammen vom ukrainischen Festland. Es ist eines der wenigen Druckmittel, die die ukrainische Führung gegen Moskau in der Hand hat. Es wird Milliarden von Euro und Jahre kosten, um Leitungen vom russischen Festland über die vier Kilometer breite Meeresenge auf die Krim zu verlegen.

Russland will zudem eineinhalb Milliarden Euro investieren, um die Kraftwerke auf der Halbinsel auf Vordermann zu bringen und sie an das russische Stromnetz anzubinden. Erdgas wiederum hat die Krim genug: Schon heute versorgt sich die Halbinsel damit weitgehend selbst. Zudem werden vor ihrer Küste Erdgasfelder mit einem Volumen von 2,3 Billionen Kubikmetern vermutet. Dies würde ausreichen, um ganz Europa fünf Jahre lang zu versorgen.

«Fass ohne Boden» für Investitionen

Gemüse und Getreide baut die Krim sogar mehr an als sie selbst verbrauchen kann. Aber sie muss viel Zucker, Fleisch und Milchprodukte importieren. Bisher kommen die Warentransporte noch weitgehend unbehindert auf der Krim an.

Sollte die Ukraine die Lieferungen jedoch einstellen, werde Russland die Krim auf dem Seeweg von der Region Krasnodar aus versorgen, versicherte der Landwirtschaftsminister der Halbinsel jüngst. Doch Experten warnen bereits, dass es Russland am langen Atem für Investitionen auf der Krim mangeln könnte, falls sich seine eigene wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert.

«Was Investitionen angeht, ist die Krim ein Fass ohne Boden», sagt der Direktor des Moskauer Instituts InfraNews, Alexej Besborodow. «Die Häfen sind alt, die Bahnstrecken marode, und die Strassen sind seit Ewigkeiten nicht saniert worden.» Auch den Menschen in Südossetien hatte Russland viel versprochen. Die Region ist inzwischen fast völlig von den Hilfszahlungen aus Moskau abhängig.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE