4.06.2014 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Russland
Kein Ende im Handelsstreit um Schweinefleisch
Russland und seine Zollunionspartner, Weissrussland und Kasachstan, sind nach wie vor nicht dazu bereit, die Einfuhr von Schweinefleisch aus der Europäischen Union mit Ausnahme Litauens und Polens wieder zuzulassen.

Ein entsprechender Vorschlag des Direktors für Veterinäre und Internationale Angelegenheiten bei der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz der EU-Kommission, Bernard van Goethem, sei am Montag vergangener Woche bei einem Gespräch an einer Tagung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Paris abgelehnt worden, teilte der Föderale Aufsichtsdienst für Tier- und Pflanzengesundheit Russlands (Rosselkhoznadzor) mit.

Seit Ende Januar Grenzen dicht

Der Vorschlag sei „nicht genug durchdacht“, so die Behörde. Russland untersagt seit Ende Januar den Import von Schweinefleisch aus allen EU-Mitgliedstaaten und begründet dies mit dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei verendeten Wildschweinen in Litauen und Polen. Anfang März stellte Rosselkhoznadzor dann in Aussicht, die Einfuhren aus einzelnen EU-Mitgliedsländern beziehungsweise Regionen, die von den ASP-Fällen weiter entfernt liegen, wieder zuzulassen.

Dies würde aber den internen Handelsbestimmungen der Europäischen Union widersprechen, weshalb wiederum die EU-Kommission eine solche Vorgehensweise ablehnt.

Scharfe Vorwürfe an Polen

Laut Rosselkhoznadzor wurde van Goethem darüber hinaus auf die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der ASP hingewiesen. Diese habe sich aufgrund „angeblich unzureichender Bemühungen“ des polnischen Veterinärdienstes erhöht. Dem obersten Amtstierarzt Weissrusslands, Jurij Piwowartschik, zufolge hätten polnische Produzentenverbände ihn bereits vor einem Monat über ihre Besorgnis im Zusammenhang mit verendeten Wild- und Hausschweinen im Land informiert und den weissrussischen Veterinärdienst um Hilfe gebeten.

Dieser wäre dazu bereit, aber nur nach einer offiziellen Anfrage der polnischen Behörden. Da Wildschweine in Polen nicht nur nahe der Grenze zu Weissrussland verendeten, sondern auch in zentralen Teilen des Landes und nahe der Grenze zu Deutschland und Tschechien, bestehe das Risiko der weiteren ASP-Ausbreitung in der Gemeinschaft.

Weissrussland sei gezwungen gewesen, seine Sicherheitsmassnahmen an den Grenzen zu Polen und Litauen zu verschärfen, zitierte Rosselkhoznadzor Piwowartschik. Die russische Behörde beklagte, dass das Monitoring der Wildschweinbestände in Polen unzureichend sei. Dort sei auch im Unterschied zu Weissrussland keine Reduzierung der Wildschweinpopulationen vorgenommen worden. Besorgniserregend sei schliesslich die Verbrennung von 14 Wildschweinkadavern ohne vorherige Untersuchung auf Erkrankungen. Das Verschweigen von Tierseuchen wäre ein Verstoss gegen OIE-Regeln.

Lob für Weissrussland

Unterdessen hat Rosselkhoznadzor laut eigenen Angaben zehn weiteren weissrussischen Betrieben den Export von Schweinefleisch nach Russland wieder erlaubt. Dieser war im Sommer 2013 nach ASP-Ausbrüchen in dem Nachbarland gänzlich verboten worden. Alle in der Provinz Gomel ansässigen Schweinehalter sowie Schlachthöfe hätten bei den Ende April durchgeführten Inspektionen ein hohes Seuchenschutzniveau aufgewiesen, teilte die Moskauer Behörde mit. Darüber hinaus habe der weissrussische Veterinärdienst eine wissenschaftlich begründete Regionalisierung der Lieferungen vorgenommen.

Wie Rosselkhoznadzor ausserdem mitteilte, wurde grünes Licht für die Einfuhr zweier Lieferungen von Pflanzkartoffeln aus Frankreich gegeben, nachdem diese im Exportland von Fachleuten beider Länder gemeinsam kontrolliert worden seien. Der Pflanzenschutzaufsichtsbehörde Polens drohte der russische Aufsichtsdienst dagegen mit Importeinschränkungen auch für pflanzliche Erzeugnisse, falls in weiteren Lieferungen Quarantäneschädlinge gefunden würden. Diese seien in den vergangenen Wochen in mehreren polnischen Gemüselieferungen entdeckt worden.

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