13.09.2019 11:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Melina Gerhard, lid
Niederlande
(K)ein Vorbild
2018 stieg in den Niederlanden der Export von landwirtschaftlichen Gütern erneut. Produkte im Wert von über 90 Milliarden Euro wurden ausgeführt. Nur die USA konnten das europäische Land überbieten, bei einer 237-mal grösseren Fläche kein Wunder.

Hinter dem niederländischen Exporterfolg steht eine sehr intensive Landwirtschaft, inklusive negativer externer Effekte. Alle Welt scheint auf die Niederlande zu schauen, als Beispiel einer erfolgreichen Agrarwirtschaft. Umweltprobleme wegen Überdüngung oder Massentierhaltung, die zu Protesten in der Bevölkerung führt, werden oft ignoriert. 

"Zyklischen Landwirtschaft"

Die niederländische Agrarministerin Carola Schouten hatte angekündigt, dass sie das Konzept der "zyklischen Landwirtschaft" zum obersten politischen Ziel machen will. Das Konzept ist alt, es beschreibt ein gemischtes Modell, wobei sich die Tierhaltung und die Pflanzenproduktion verbinden. Beispielsweise kann ein Stickstoff-Überfluss dadurch reduziert werden, dass Kühe mehr rohfaserreiches Futter verzehren. Das führt zu weniger Ammoniak im Kuhdung, und dieser steigert die Gesundheit des Bodens: bessere Mikrobiome, gesündere Pflanzen. 

Es zeigt, dass die Problematik der hohen Umweltbelastung durch die Landwirtschaft in den Niederlanden langsam aber sicher angegangen wird. Mehr ist nicht immer das Beste, sagt auch Jean-Marc Chappuis, Leiter Wissenssysteme, Technologie und Internationales beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

"Besucherfreundliche" Höfe

Auf einer Reise in die Niederlande konnte er sich ein Bild der Landwirtschaft machen. "Ich bin beeindruckt, wie ein so kleines Land eine intensive Produktion aufrechterhalten kann. Gleichzeitig machen sich die niederländischen Landwirte seit ein paar Jahren intensiv Gedanken über alternative Verkaufskanäle und Einkommensmöglichkeiten", meint er. "Es geht ihnen dabei nicht nur um den Export, sondern auch darum, wie die eigenen Konsumentinnen und Konsumenten wieder mehr Zugang zur Landwirtschaft finden." 

Er wünscht sich, dass die Schweizer Landwirtschaft stärker aus der Defensive rauskommt: "Unsere Landwirte sollen ein besseres Selbstbewusstsein entwickeln. Sie machen einen super Job, versuchen zum Beispiel ebenfalls, die Stickstoffbelastung möglichst tief zu halten." Das soll der Bevölkerung mitgeteilt werden: "Ich denke an den Aktionsplan Pflanzenschutz, der die Landwirtschaft umweltverträglicher macht. Eine andere Strategie ist es, Tür und Tor zu öffnen und Leute auf den Hof einzuladen. So kann der Landwirt transparent kommunizieren, wie er die Lebensmittel produziert", sagt Chappuis. Wie in der Schweiz gibt es auch in den Niederlanden "besucherfreundliche" Höfe. Ein solches Beispiel ist der Hühnerhof von Rondeel.

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