24.02.2020 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europa
Imker pochen auf Notfallplan
Angesichts einer offenbar kritischen Marktlage haben die europäischen Honigerzeuger die EU-Kommission dazu aufgerufen, schnell einen „Notfallaktionsplan“ zur Unterstützung des Sektors vorzulegen.

In ihrem Aufruf vom vorvergangene Woche fordern die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) konkrete Massnahmen, um den mehr als 650 000 europäischen Imkern „unter die Arme zu greifen“. Die Verbände warnen davor, die bestehenden Probleme zu unterschätzen, denn die europäische Honigerzeugung stehe auf dem Spiel.

Das Jahr 2019 sei ein „schwarzes Jahr“ für den Bienenzuchtsektor in der EU gewesen. Aufgrund des witterungsbedingten Produktionsrückgangs in den Haupterzeugerländern sei der notwendige Erlösanstieg ausgeblieben. Die gegenwärtig „schwierige Marktlage“ dürfe auch nicht als Konjunkturschwäche abgetan werden.

COPA und COGECA weisen darauf hin, dass die europäischen Honigerzeuger seit 2013 mit grossen Importmengen aus China zu niedrigen Preisen zu kämpfen hätten. In der Volksrepublik habe der Honigpreis im Jahresmittel 2019 bei 1,24 Euro pro Kilogramm gelegen. Dagegen hätten sich die mittleren Honigproduktionskosten in der EU im Jahr 2018 auf 3,90 Euro pro Kilogramm belaufen.

Diesen Preisunterschied könnten sich die europäischen Erzeuger nur „durch das massive Hinzufügen von Zuckersirup“ erklären. Dieser sei in der Herstellung billiger und bei europäischen Grenzkontrollen nur schwer nachzuweisen. Zudem unterliege die Honigerzeugung in China anderen Kriterien, die nicht den EU-Normen entsprächen, beklagen COPA und COGECA.

Neben besseren Kontrollen fordern sie eine Marktbeobachtungstelle für Honig sowie eine präzisere Kennzeichnungsreglung für Honigmischungen, vor allem bei Importen. Entsprechende Forderungen hatten jüngst Slowenien und Portugal mit Unterstützung weiterer Mitgliedstaaten auf dem Agrarrat im Januar erhoben.

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