14.12.2015 16:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Brasilien
Im Land von Soja, Kaffee und Zuckerrohr
Brasilien ist das fünftgrösste Land der Erde. Mit einem Anteil von 25% am Bruttoinlandprodukt spielt der Agrarsektor eine wichtige Rolle — und das Produktionspotenzial des Agrarriesen ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Brasilien ist riesig. Dies erfuhren die 25 Teilnehmer der «Schweizer Bauer»-Leserreise im November hautnah. Während zweier Wochen reisten sie mit Car und Flugzeug durch den Bundesstaat Paraná im Süden Brasiliens und besuchten zum Abschluss die Grossstadt Rio de Janeiro. Was für die Gruppe Schweizer Landwirte unzählige neue Eindrücke bot, bleibt auf der Karte ein kleiner Fleck.

Getreidegürtel Paraná

Denn Brasilien, das 47% der Fläche Südamerikas ausmacht, ist 200-mal so gross wie die Schweiz. Es reicht von den Tropen im Norden bis zu den Subtropen mit einem gemässigten Klima im Süden. Und genau dieser Süden ist ideal für den Mais- und den Sojaanbau. Auch Getreide wächst hier.

Konkret bauen die meisten Ackerbauern im Bundesstaat Paraná von Oktober bis März die Sommerkulturen Soja und Mais an, und im brasilianischen Winter von März bis September säen sie Weizen, Gerste und Hafer. Mit dem warmen Klima und Jahresniederschlägen von 1500 mm sind zwei Ernten pro Jahr problemlos möglich.

Ertragspotenzial ist gross

«Ich dresche im Schnitt 12 t/ ha Körnermais und 3,9 t/ha Soja», erklärte Rodolpho Luiz Werneck Botelho, der bei Guarapuava 2200 Hektaren Land bewirtschaftet. Den Mais düngt der Präsident des regionalen Bauernverbandes mit 210 bis 220 Einheiten Stickstoff. Mit durchschnittlich 4 t/ha ist das Ertragsniveau beim Weizen mässig. Durch Züchtung und moderne Anbautechnik steigt es aber jährlich um rund 70 kg/ ha an.

Nicht nur höhere Flächenerträge, sondern auch riesige Landreserven ermöglichen es Brasilien, in den kommenden Jahren seine landwirtschaftliche Produktion deutlich zu steigern. Von den 388 Mio. Hektaren verfügbaren, ackerfähigen Landes werden 90 Mio. Hektaren heute noch gar nicht genutzt.

Leider sind in der sechstgrössten Volkswirtschaft der Welt politische Instabilität, Korruption und Inflation grosse Probleme. Botelho sagt: «Brasilien hat ein ideales Klima und gute Böden für die Landwirtschaft, aber sehr schlechte Politiker.»

Agrarriese und Exportweltmeister

Brasilien ist der weltgrösste Produzent von Zucker, Kaffee, Orangensaft und Soja. Zudem ist das Land Weltmeister im Export von Zucker, Kaffee, Orangensaft, Ethanol, Tabak, Soja, Rindfleisch und Pouletfleisch.  Die meisten Güter werden im Hafen von Santos verladen. Der zweitgrösste Hafen Brasiliens und gleichzeitig der weltgrösste Sojaverladehafen ist Paranaguá im Bundesstaat Paraná. Der Transport zu den Häfen stösst in Brasilien aber immer öfter an seine Kapazitätsgrenzen, da über die Hälfte der Güter über die Strasse transportiert wird. Im Staat Paraná sind es sogar über 70%.

Paranaguá spielt auch eine wichtige Rolle beim Düngerimport. Denn Brasilien importiert 76% seines Stickstoffdüngers, 43% des Phosphordüngers, 91% des Kalidüngers und 71% des NPK-Düngers. gro

 

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