1.10.2017 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Gefälle zwischen Stadt und Land
Die Schere zwischen wirtschaftlich starken Städten und strukturschwachen ländlichen Räumen in der Europäischen Union geht immer weiter auseinander. Zu diesem Schluss kommt eine vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) koordinierte Studie, die am vergangenen Freitag vorgestellt wurde.

Darin sehen die Wissenschaftler die „neoliberale Entwicklung“ als Ursache für die wachsende Ungleichheit in der Europäischen Union. Laut Darstellung von Projektleiter Dr. Thilo Lang markieren sowohl das Zukunftskonzept Europa 2030 als auch die Lissabon-Agenda der Gemeinschaft einen Richtungswechsel weg von sozialen Gesichtspunkten und Beschäftigung hin zu Wachstum und Innovation.

Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Kontext zu stärken. Da die EU hierbei vor allem auf die Städte setze, führe dies zu wachsenden regionalen Ungleichheiten zwischen den Metropolen und strukturschwachen ländlichen Gebieten, so Lang. Besonders in den neuen Mitgliedstaaten fehle es peripheren Regionen zudem oft an Infrastruktur und Personal, um intelligente Entwicklungskonzepte zu realisieren.

Eigenverantworttung für Erfolg und Misserfolg

Insgesamt sei der Trend zu beobachten, dass die Regionen für Erfolg oder Misserfolg selbst verantwortlich gemacht und strukturelle Nachteile ausgeblendet würden, erklärte der Wissenschaftler. Demgegenüber müssten gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft getroffen werden. So sollten die Regionen gegenüber der Zentralmacht der einzelnen Mitgliedstaaten im Sinne einer aktiven Mitsprache bei politischen Entscheidungen und einem wirklichen Austausch zwischen den Entscheidungsebenen gestärkt werden, heißt es in der Studie.

Neben technischen Maßnahmen wie dem Ausbau der digitalen Infrastruktur empfehlen die Wissenschaftler zudem, zivilgesellschaftliche Akteure stärker in die Regionalentwicklung und die Regionalpolitik einzubeziehen. Außerdem sollten Förderinstrumente für lokale Initiativen ausgebaut und flexibel handhabbare Regelungen sowie lokale oder regionale Budgets in Eigenverantwortung unterstützt werden.

Nur dann könnten Projekte einer nachhaltigen Entwicklung langfristig erfolgreich sein und periphere Regionen ihre Innovationspotentiale ausschöpfen. Das Großprojekt wurde seit 2014 mit rund 3 Mio Euro finanziert. Daran mitgewirkt haben Wissenschaftler aus zwölf Ländern.


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