18.03.2016 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Grossbritannien
GB: Zuckersteuer kommt
Die Briten ernähren sich ungesund und sind zu dick. Jetzt schreitet London zur Tat und will mit einer Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks gegensteuern.

Jamie Oliver spricht viel und schnell. Seine Nachrichten an die Welt versieht er gern mit Ausrufezeichen. Aber: «Wir haben es geschafft, Leute!! Wir haben es geschafft !!!», das ist selbst für den 40-jährigen Starkoch eine ungewöhnlich erregte Interpunktion.
Was ist da los? Die britische Regierung will Unternehmen zur Kasse bitten, die Geld mit zuckersüssen Softdrinks verdienen. Jamie Oliver, der dafür seit langem wirbt und sogar im Londoner Parlament auf Werbetour war, ist glücklich.

Steuereinnahmen gehen in Schulsport

Und nicht nur er. «Visionär» sei die sogenannte Zuckersteuer, findet etwa Mark Hanson von der Britischen Herzstiftung. Zwar sei sie kein Allheilmittel, dürfe ruhig früher kommen als wie geplant erst 2018, und ausserdem solle sie auch Fruchtsäfte treffen, die seien ja auch süss. Aber dass die angepeilten 520 Millionen Pfund Staatseinnahmen in den Sportunterricht an Grundschulen fliessen sollen, sei «inspirierend».

Es nicht der erste Anlauf in jüngerer Zeit, über Steuern und Gesetze an den Ernährungsgewohnheiten der Briten zu schrauben. 2012 scheiterte Schatzkanzler George Osborne damit, heisse Snacks zu besteuern - dass Sausage Roll und Cornish Pasty teurer werden könnten, ging dem Volk gehörig gegen den Strich.

Dann war da noch die Idee eines Mindestpreises für alkoholische Getränke. Ddoch es stellte sich heraus, dass man damit gegen EU-Recht verstossen würde.

Für britische Verhältnisse fast schon unumstritten

Wenn der Staat mitbestimmen will, was seinen Bürgern auf den Teller oder ins Glas kommt, erregt das die Gemüter. Die Softdrink-Steuer allerdings, die London jetzt plant, ist für britische Verhältnisse fast schon unumstritten. Natürlich ist die Getränke-Industrie dagegen, denn sie soll ja zahlen. Wie viel, ist noch offen. Es soll, je nach Zuckergehalt, zwei Stufen geben: ab fünf Gramm und ab acht Gramm pro 100 Milliliter.

Das «British Medical Journal» veröffentlichte erst dieses Jahr eine Studie, wonach in Mexiko der Konsum merklich zurückgegangen ist, seitdem Getränke mit Zuckerzusatz extra besteuert werden. Auch in Frankreich gibt es die Steuer schon, mehr als 300 Millionen Euro brachte das der Regierung 2014. Jamie Oliver jedenfalls ist sich sicher und schreibt über den Plan der Briten: «Ein bedeutender Schritt, der um die ganze Welt gehen wird.»

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