25.04.2013 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Frankreich: Runder Tisch für höhere Milchpreise endet ergebnislos
Frankreichs Milchviehhalter müssen sich im Hinblick auf ihre Forderung nach höheren Milchpreisen und die Einrichtung entsprechender Instrumente weiter gedulden.

Bei dem von Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll einberufenen runden Tisch zwischen Landwirten, Händlern und Weiterverarbeitern ist letztlich keine Einigung zustande gekommen, ob und in welcher Höhe die Preise angehoben werden sollen - zumal der Handel und die Molkereien untereinander keine einheitliche Position vertreten.

Agrarminister hofft bis Ende Monat auf erste Umsetzungen

Bis Ende April soll nun der von Le Foll eingeschaltete Vermittler Francis Amand eine Lösung finden. Der Minister versicherte im Anschluss an das Treffen, einen „Anstoss“ gegeben zu haben. Er hofft, dass bis zum Ende des Monats die „konkrete Umsetzung“ der wichtigsten Massnahmen erfolgt. Amand soll eine Einigung erzielen, die zunächst neben Trinkmilch auch verarbeitete Milchprodukte umfasst. Zudem soll die Erhöhung den Produzenten zugute kommen. Darüber hinaus sollen die Verträge transparent und ausserdem mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar sein.

Die Landwirte zeigten sich insgesamt enttäuscht vom Ausgang der Beratungen. Der französische Bauernverband (FNSEA) und die Junglandwirteorganisation (JA) führten wenige Tage nach dem runden Tisch die bereits im Vorfeld angekündigten landesweiten Demonstrationen zur Unterstützung der Tierhaltung durch.

Bauern wollen mindestens 3 Cent mehr, Detailhandel stellt 2 Cent in Aussicht

Die Milchbauern hatten angesichts der gestiegenen Tierhaltungskosten eine Erhöhung der Milchpreise um 3 Cent für alle Milchprodukte gefordert. Der französische Gross- und Einzelhandelsverband (FCD), der die Hyper- und Supermarktketten Auchan, Carrefour, Casino, Cora und Monoprix vertritt, hatte ein Plus von 2 Cent pro Liter Trinkmilch für die nächsten drei Monate in Aussicht gestellt. Die Supermarktkette Système U wiederum hatte ihren Milchbauern angeboten, in den kommenden sechs Monaten 3 Cent auf alle Milchprodukte aufschlagen zu wollen.

Mit Blick auf das FCD-Angebot betonte FNSEA-Vizepräsident Henri Brichard, dass man ein „stärkeres Signal“ erwartet hätte. „Dieses Angebot bildet aber nur 150 Euro pro Tierhalter für die drei vorgeschlagenen Monate ab“, erklärte Brichard. Der Präsident des Milchproduzentenbandes (FNPL), Thierry Rockefeuil, bezeichnete den Système-U-Vorschlag als Mindest-Voraussetzung. Nach seinen Worten muss der Handel akzeptieren, dass alle Milchprodukte in die Erhöhung einbezogen werden.


Der Präsident des Dachverbandes der privaten Molkereien (FNIL), Olivier Picot, unterstrich bei dem Treffen die Notwendigkeit von Transparenz für die Milchbauern. Allerdings müssten davon auch die Weiterverarbeiter profitieren. Die grossen Molkereien hätten sich für ein „ganz neues Szenario“ ausgesprochen, und zwar für eine sogenannte technische Anhebung von 2 Cent, die vom Handel anzurechnen sei und an die Landwirte weitergegeben würde. Allerdings würde dieses Instrument die Zustimmung des gesamten Handels erfordern.

„Rettet die Tierhaltung“

Auf den Demonstrationen in nahezu allen französischen Départements bekräftigte der FNSEA seine Forderung nach einer Übertragung der Produktionskosten in der Milchhaltung auf den Konsumentenpreis. Bauernverbandspräsident Xavier Beulin sieht „Handlungsbedarf“ beim Milchpreis. „Auch wenn wir uns kurzfristig einen Anstieg der Preise um 2 bis 3 Cent herbeiwünschen, ist es unserer langfristiges Ziel, einen Indikator einzurichten, der die Kostenschwankungen im vor- und nachgelagerten Bereich widerspiegelt“, erklärte der FNSEA-Präsident. Damit könnte die Milch auch in die Verträge vom 3.Mai 2011 integriert werden. Diese regeln die Preisverhandlungen in Frankreich. 

Eine entsprechende sei Reform „unerlässlich“, wenn die Tierhaltung erhalten werden solle. „Es gibt bedrohliche Anzeichen, die uns die Grenzen in diesem Beruf aufzeigen. Die Grenze, das ist der Mangel an Einkommen“, betonte FNSEA-Generalsekretär Dominique Barrau. Das Vertrauen der Landwirte in ihren Beruf werde man nur über gerechte Preise für ihre Prdoukte zurückgewinnen.

Anlässlich der FNSEA-Demonstration erklärte Landwirtschaftsminister Le Foll, dass die Regierung alles dafür tun werde, damit die an die Milchbauern ausbezahlten Preise angesichts der Verteuerung der Futtermittelkosten „schnell steigen“.

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