18.12.2015 12:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Argentinien
Farmer in Jubelstimmung
In Argentinien sind die Wahlen nach dem Gusto der Bauern ausgegangen. Der neue Präsident Mauricio Macri hat den Farmern versichert, die Exportsteuern auf Fleisch und Getreide zu streichen. Die Landwirtschaft erhofft sich so neuen Schub.

In der zweiten Runde der Präsidentenwahl setzte sich der 56-jährige Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires Ende November mit 51,4 Prozent der Stimmen gegen den Kandidaten der Links-Regierung, Daniel Scioli, durch.

Der konservative Oppositionsführer Macri löst damit die linkspopulistische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ab, die seit 2007 an der Macht ist. Die Staatschefin selbst durfte laut Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren.

Hauptexportwaren sind Agrarprodukte

Der Ingenieur, Unternehmer und einstige Präsident des Maradona-Fussballvereins Boca Junior setzt sich im Gegensatz zu den vorherigen linken Regierungen für mehr Marktwirtschaft und weniger Einfluss des Staates in Argentinien ein. So will er Geldgeber anlocken. Die drittgrösste Volkswirtschaft Lateinamerikas macht derzeit wirtschaftlich schwierige Zeiten durch. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in Argentinien für dieses Jahr nur 0,4 Prozent Wachstum und für 2016 sogar eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent.

Argentinien ist nach Brasilien das zweitgrösste Land Lateinamerikas und hat 41,8 Millionen Einwohner. Die grössten Handelspartner sind Brasilien und China, gefolgt von den USA und Deutschland. Hauptexportwaren sind Agrarprodukte wie Soja und Erzeugnisse der Automobilindustrie. Hauptmotor des Kampfes gegen die Armut sei die Ankurbelung der Wirtschaft mit Investitionen in Infrastruktur und der Schaffung neuer Arbeitsplätze, liess der Präsident vor wenigen Tagen bei der Vereidigung verlauten.

Produktion ankurbeln

Mauricio Macri hat auch bei den Farmern für Jubelstimmung gesorgt. Kurz nach der Amtseinsetzung ist er aufs Land gefahren. Dort verkündete er, dass die Exportsteuern für Fleisch, Weizen und Mais gestrichen würden. Jene für Soja sinken um 5 auf 30 Prozent. Macri sei von den Bauern wie ein Messias gefeiert worden, schreibt die NZZ in ihrer Mittwochausgabe. Das verwundert nicht, denn die zweistelligen Exportsteuern auf Agrargütern haben der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren zugesetzt. Sie hat stagniert.

Vorgängerin Kirchner wollte mit den hohen Exportsteuern den Verkauf im Inland ankurbeln. Doch das misslang. Die Farmer haben ihre Erzeugnisse gehortet oder über die Grenze nach Paraguay geschmuggelt. In den Silos der Landwirte soll Getreide im Wert von 10 Mrd. US-Dollar liegen.

Der Plan von Macri sieht nun vor, dass durch die Senkung der Ausfuhrsteuer mittelfristig die Produktion gesteigert wird. Über höhere Gewinnsteuern soll dann wieder Geld in die Staatskasse gelangen. Zudem sollen durch den Verkauf der gehorteten Ware in nächsten Monaten dringend benötige Devisen nach Argentinien gelangen.

Freier Devisenhandel

Doch die Bauern zögern noch mit dem Herauffahren des Exports. Die Notenbank will den Peso abwerten. Erst dann würden die Landwirte die Ware auf den Markt bringen, folgert die NZZ. Bisher war ein täglich wechselnder Wechselkurs zum Dollar festgelegt, zuletzt von 9,83 Peso. Für bestimmte Bereiche gab es Ausnahmen und andere Kurse. Auf dem Schwarzmarkt wurde der Dollar zuletzt für 14,55 Peso gehandelt.

Argentinien gab am Donnerstag den Devisenhandel frei. Nach der Aufhebung der Devisenkontrollen lag der Referenzkurs zur Handelseröffnung in einer Spanne zwischen 13,50 und 14,50 Peso pro Dollar. Die Zentralbank hatte am Dienstag den Leitzins auf 38 Prozent angehoben, um eine Flucht der Sparer in Dollar-Investitionen zu verhindern.

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