3.01.2017 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: «Schwarzes Jahr» für Bauern
Der französische Landwirtschaftssektor hat im laufenden Jahr starke Einbußen verzeichnet. Das belegen erste Schätzungen des Nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftsforschung (INSEE) in Paris.

Wie der Dachverband der französischen Landwirtschaftskammern (APCA) Mitte Dezember dazu berichtete, dürfte die Nettowertschöpfung zu Herstellungspreisen als Mass für die sektorale Einkommensentwicklung gegenüber 2015 um 26,1% auf 10,4 Mrd. Euro (11.1 Mrd. Fr.) sinken. Die Krise betreffe praktisch alle Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion, weshalb «von einem schwarzen Jahr» gesprochen werde müsse, stellte der Dachverband fest.

Getreide und Milch im Minus

Im Pflanzenbau müssten die Erzeuger laut INSEE mit einem Rückgang des Produktionswertes um 3,9 Mrd. Euro oder 8,9% auf 40 Mrd. Euro (42.8 Mrd. Fr.) rechnen. Verantwortlich dafür sei vor allem der Getreidesektor, wo die Erlöse durch die klimatisch bedingten Mindererträge und die niedrigeren Preise 2016 mit 7,7 Mrd. Euro (8.25 Mrd. Fr.) um 31% unter dem Vorjahresniveau liegen dürften. Allein die Weizenproduzenten würden voraussichtlich Einnahmeverluste von rund 2,2 Mrd Euro oder gut 36% erleiden.

Auch die Winzer müssten wegen der schlechten Ernte mit geringen Erlösen zurechtkommen, während sie bei den Kartoffel-, Zuckerrüben- und Obsterzeugern wegen höheren Preise steigen dürften. In der Veredlungswirtschaft rechnen die Pariser Statistiker laut APCA mit einem Rückgang des Produktionswertes gegenüber 2015 um 1,3 Mrd Euro oder 5% auf 24,5 Mrd. Euro (26.2 Mrd. Fr.). In diesem Sektor mache sich insbesondere die Krise am Milchmarkt negativ bemerkbar, in deren Folge die Erlöse der Milchbauern um rund 800 Mio Euro oder fast 9 % auf 8 Mrd. Euro (8.6 Mrd. Fr.) zurückgehen dürften.

Nur Schweinehalter im Plus

Zudem werde im Rindfleischbereich wegen niedrigerer Preise mit einem Absinken des Produktionswertes um 4,1% auf 6 Mrd. Euro (6.43 Mrd. Fr.) gerechnet, bei Geflügel um 5,5 % auf 4,5 Mrd. Euro. Positiv dürften nur die Schweinehalter abschneiden, wo die Erlöse wegen moderat gestiegener Preise im Vorjahresvergleich um 4 % auf 3,1 Mrd. Euro (3.32 Mrd. Fr.) zulegen sollten.

Angesichts der Entwicklung warnte APCA vor einem «gesamtwirtschaftlich bedeutsamen Risiko» für Frankreich. Die Finanzreserven der Betriebe seien aufgebraucht und die ökonomische Stabilität der landwirtschaftlichen Produktion gefährdet. Der Einkommensverfall der Landwirte müsse gestoppt und die Märkte im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2020 neu geordnet werden, und zwar in Verbindung mit Maßnahmen zur Preisstabilisierung und Versicherungsregelungen.

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