25.12.2015 07:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Neues Ernteversicherungssystem
In Frankreich ist die neue Ernteversicherung auf den Weg gebracht worden. Ab Januar 2016 soll das Instrument den französischen Landwirten zur Verfügung stehen. Die Reaktionen des landwirtschaftlichen Berufsstandes fallen unterschiedlich aus.

Auf der jüngsten Sitzung des nationalenAusschusses für das Management nationaler Risiken (CNGRA) wurde das neue System vorgestellt. Demnach steht dem Bauern künftig - wie schon bekannt - ein sogenannter „Sockelvertrag“ zur Verfügung, der allen Betriebsformen offensteht. Unterschieden wird dabei nach Acker-, Obst- und Weinbau sowie Dauergrünland.

Nicht obligatorisch

Jeder Landwirt, der eine Versicherung für einen der vier Bereiche eingeht, hat Anspruch auf eine Förderung in Höhe von 65% des Versicherungsbetrages. Die Gelder hierfür stammen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Eine verbindliche Pflicht zum Abschluss einer solchen Versicherung besteht nicht.

Dem Pariser Landwirtschaftsministerium zufolge gewährt der „Sockelvertrag“ einen „Basisschutz“. Mit diesem sichert der Landwirt einen Grossteil seiner Produktionskosten etwa für den Anbau von Getreide ab, nicht aber die möglichen Umsätze, die er mit dem Verkauf der Erzeugnisse erzielt hätte. Der Selbstbeteiligungsanteil wurde auf 30% festgesetzt. Bei Grünland sind es 25 %. Versichert ein Landwirt seine Produktion vollumfänglich, kann der Versicherer eine Selbstbeteiligung von 20% anwenden.

Versicherung setzt Beiträge fest

Einspringen soll die Versicherung, wenn klimatische Bedingungen die Produktion um wenigsten 30% gegenüber dem fünfjährigen Mittel niedriger ausfallen lassen. Der Betrag für die Versicherung, der von der jeweiligen Versicherungsgesellschaft festgesetzt wird, variiert abhängig von der Produktionsausrichtung und der geografischen Zone, da manche als risikoreicher gelten als andere.

Für den Zeitraum 2015 bis 2020 stellt Frankreich dem Agrarressort zufolge insgesamt 600 Mio. Euro an ELER-Mitteln für die neue Ernteversicherung zur Verfügung. Je nachdem, auf welchen Zuspruch die Versicherung stösst, könnte sich dieser Betrag als unzureichend erweisen, um den Zuschuss von 65% aufrecht zu erhalten. Daher wurde vom Ministerium eine Klausel zur Wiedervorlage im Jahr 2017 eingefügt, um für Frankreich über die Erste Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zur Verfügung stehende Gelder in die Zweite Säule zu verschieben und hierfür zu nutzen. Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hatte zu Beginn der Arbeiten für das neue Versicherungssystem die Hoffnung geäussert, dass bis 2020 rund 60 % bis 70 % der französischen Betriebe eine solche Versicherung abgeschlossen haben.

Bauern verhalten optimistisch

Im landwirtschaftlichen Berufsstand fiel die Reaktion auf die neue Ernteversicherung gemischt aus. Der französische Bauernverband (FNSEA) wies lediglich darauf hin, dass es eine seit langem bestehende, gemeinsame Ambition gewesen sei, eine Versicherung zu haben, die jedem Landwirt helfe. Die Arbeiten hierzu hätten sich „lang und kompliziert“ gestaltet, da alle Betriebsformen betroffen seien. Insgesamt zeigte sich der Bauernverband mit dem Ergebnis aber zufrieden.

FNSEA-Vizepräsident Joël Limouzin betonte, dass es bezüglich der Versicherung für Dauergrünland „noch einige Unzulänglichkeiten“ gebe, was aber mit der GAP-Reform zusammenhänge. Der FNSEAhofft, dass der „Sockelvertrag“ nun so schnell wie möglich lanciert wird, damit im Hinblick auf die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 erste Erfahrungswerte gesammelt werden können.

Die Confédération paysanne beklagte indes, dass ein „auf Gegenseitigkeit beruhendes, aber wenig solidarisches“ Instrument geschaffen worden sei. Zudem kritisierte sie die unterschiedliche Höhe der Beiträge je nach Kultur und geografischer Zone. Auch wurde der „Sockelvertrag“ aus Sicht der Confédération „nur für den Ackerbau“ gemacht.

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