6.09.2014 11:23
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
EU-Agrarminister: Russen-Embargo trifft EU-Staaten unterschiedlich
Die EU-Agrarminister haben an ihrem Sondertreffen in Brüssel über die Folgen des russischen Einfuhrverbots von Lebensmitteln aus der EU diskutiert. Dabei ging es in erster Linie um Informationsaustausch. Die Minister unterstrichen die Dringlichkeit der Lage.

Länder und Sektoren seien sehr unterschiedlich vom Importverbot der Russen betroffen, sagte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt am Freitag nach dem Treffen. Man sei sich einig, «dass es sich um eine europäische Frage» handle. «Niemand soll alleine gelassen werden.»

Denn sei ein EU-Land betroffen, dann habe dies automatisch Auswirkungen auf die anderen Mitgliedstaaten, gab sein französischer Amtskollege Stéphane Le Foll zu bedenken. Er verwies als Beispiel auf die gut 700'000 Tonnen Äpfel aus Polen, die für den russischen Markt bestimmt wären.
Genaue Zahlen, wer wie vom russischen Embargo betroffen ist, gibt es jedoch noch keine, wie EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos sagte.

Geldmittel auch aus anderen Quellen

Der rumänische Kommissar gab zudem zu bedenken, dass der Ursprung des Problems nicht der Landwirtschaftssektor sei, aber dieser «die Rechnung bezahlen» müsse. Laut dem italienischen Agrarminister Maurizio Martina, der das Treffen im Namen der Präsidentschaft leitete, soll daher auch über zusätzliche Mittel ausserhalb des Agrarbudgets nachgedacht werden.

Anfang August hatte der Kreml als Reaktion auf die Sanktionen aus dem Westen ein Importverbot von Agrarprodukten wie Obst, Gemüse, Milchprodukten und Fleisch verhängt. Davon betroffen sind neben den Vereinigten Staaten auch Australien, Kanada und die EU.

Gemäss Schätzungen Brüssels betrifft der Boykott Waren aus der EU im Wert von rund fünf Milliarden Euro. Die EU hat daher bereits mehrere Massnahmen angekündigt, um den betroffenen Bauern unter die Arme zu greifen. Dabei handelt es sich bis jetzt um gut 200 Millionen Euro. Le Foll kritisierte, dass bis anhin jedoch noch kein Geld geflossen ist.

Schweiz kein Thema am Sondertreffen

Die Minister sprachen auch kurz über Drittstaaten, die nicht vom russischen Embargo betroffen sind. «Die Schweiz war nicht Thema», sagte Schmidt vor den Medien. Brüssel hatte sich an Länder wie Brasilien, Israel aber auch die Schweiz gewandt mit der Forderung, «keine staatlichen Massnahmen» zu ergreifen, um «neue Handelsaktivitäten zu unterstützen» oder den Export nach Russland auf Kosten der EU-Staaten «substantiell auszudehnen».

Das nächste offizielle Treffen der EU-Agrarminister findet Ende September in Mailand statt. Dann dürfte der russische Importstopp wieder Thema sein. Man müsse nun sehen, wie sich das Ganze entwickelt, sagte der italienische Minister. Schliesslich handle es sich um einen laufenden Prozess.

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