5.12.2016 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
Erfolg für Indianer: Öl-Pipeline gestoppt
Die umstrittene Ölpipeline in North Dakota wird vorerst nicht weiter gebaut. Statt der Route entlang eines Indianerreservats sollten alternative Routen geprüft werden, teilte das United States Army Corps of Engineers am Sonntag mit.

Diese Entscheidung ist ein grosser Sieg für mehrere Tausend Demonstranten. Das US Army Corps of Engineers ist ein Kommando der US Army, das im Bereich Bauingenieurwesen tätig ist.

1900 Kilometer lang 

Gegen die Pipeline gibt es seit Monaten sowohl vor Ort als auch in sozialen Medien Proteste. Sie richten sich gegen eine drohende Verschmutzung der Umwelt. Die Indianer sehen heilige Stätten und ihre Wasserversorgung bedroht. In ersten Stellungnahmen reagierten Indianer und Umweltschützer begeistert. Videos auf Facebook aus einem Camp vor Ort zeigten Freudentänze.

Die Pipeline ist ein milliardenschweres Projekt. Sie soll Öl von den Tausenden Frackingbohrstellen im Norden North Dakotas in den Bundesstaat Illinois transportieren. Die Röhre soll insgesamt fast 1900 Kilometer lang sein. Sie ist bis auf das fehlende Stück unter dem Lake Oahe, dessen Bau von der Army jetzt angehalten wurde, fertig.

Wasserwerfer bei -20 Grad

Tausende demonstrieren seit Monaten gegen eine Pipeline. Am Wochenende wollen sich nun mindestens 2000 Veteranen dem Protest anschliessen - sie wollen das Camp ausbauen und den Demonstranten eine Pause ermöglichen. Allerdings läuft am 5. Dezember ein Ultimatum ab. Das kann kritisch werden.

Es sei zu kalt für den Protest, sagt North Dakotas Gouverneur Jack Dalrymple. In der Tat sagt der Wetterbericht für die kommende Woche Temperaturen von bis zu minus 20 Grad voraus. Allerdings war es schon in den vergangenen Tagen bitterkalt. Trotzdem hat die Polizei Wasserwerfer gegen die Protestierenden eingesetzt.

Pipeline bedroht heilige Stätten

Hintergrund: North Dakota baut eine Pipeline. Sie soll Öl von den tausenden Frackingbohrstellen im Norden in den Bundesstaat Illinois transportieren, jeden Tag über 450'000 Barrel. Die Röhre soll insgesamt fast 1900 Kilometer lang sein und rund 2,7 Milliarden US-Dollar kosten.

Als ihre Route an den nördlichen Zipfel eines Indianerreservats der Sioux verlegt wird, beginnt im April der Protest: Heilige Stätten und Wasserreservoirs seien bedroht, Gebietsverträge würden verletzt. Die Pipeline, hier soll sie unter dem Lake Oahe verlaufen. Hunderte Stämme schliessen sich dem Protest an. Am Cannonball River werden Lager errichtet. Die Facebookseite des Reservats zeigt Besucher aus Lateinamerika, Priester und Familien.

Immer wieder Scharmützel

Über Monate kommt es immer wieder zu Scharmützeln mit der Polizei. In den überregionalen US-Medien ist das alles kein grosses Thema, es ist Wahlkampf. Die Demonstranten veröffentlichen Videos, die beweisen sollen, wie wenig zimperlich der Staat gegen friedlichen Protest vorgeht. Die Polizei setzt Tränengas in grossem Stil ein, Panzerwagen, Pfefferspray, Granaten, lässt ihre Hunde los. Es gibt Verletzte. Vor dem Wochenende sagten Offizielle nun, man wolle eine Räumung nicht aktiv vorantreiben.

Trump ist für Pipeline

Als wäre die Situaion nicht heikel genug, kommt nun auch noch die Politik dazu, und zwar die ganz grosse. Donald Trump hat als Unternehmer kräftig in ETP.N und Phillips 66 investiert, das ist öffentlich belegt. Und nun, nach der Wahl, nicht unheikel: ETP.N (Energy Transfer Partners, Texas) baut die Pipeline, Phillips hält 25 Prozent Anteile an der dann fertigen Röhre. Als gewählter US-Präsident hat Trump bekräftigt, er unterstütze die Fertigstellung des Projekts.

Unter anderem der «Guardian» zitiert, was Trumps Team vor dem Wochenende in einem seiner täglichen Briefings an die Adresse von Unterstützern verlautbarte: «Seine (Trumps) Unterstützung hat mit seinen persönlichen Investments nicht zu tun; alles dreht sich um die Werbung für eine Politik, von der alle Amerikaner profitieren.»

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