3.03.2013 12:11
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Kanada
Einkommensschub für Kanadas Farmer
Die finanzielle Situation für die kanadischen Farmer ist 2012 so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr gewesen und sie wird es vorerst auch bleiben. Dies ist die zentrale Botschaft des aktuellen Einkommensberichtes des kanadischen Landwirtschaftsministeriums, der in der vergangenen Woche veröffentlich wurde.

Nach den vorläufigen Zahlen stiegen die landwirtschaftlichen Verkaufserlöse 2012 einschließlich der staatlichen Zuwendungen in Höhe von 3,3 Mrd Can$ (2,5 Mrd Euro) gegenüber dem Vorjahr um 7,4 % auf etwas mehr als 53,4 Mrd Can$ (39,6 Mrd Euro); der Fünfjahresdurchschnitt wurde um 18,4 % übertroffen. Maßgeblich trugen zu dieser Entwicklung die höheren Getreide- und Ölsaatenpreise bei; für pflanzliche Erzeugnisse wurde in der Summe 12 % mehr als im Vorjahr erlöst.

Bei den tierischen Erzeugnissen fiel das Plus mit 4 % bescheidener aus. Die Produzenten des Ahorn-Staates mussten 2012 jedoch auch spürbar mehr Geld für Betriebsmittel ausgeben; vor allem für Futtermittel, Dünger oder Saatgut. Insgesamt erhöhten sich die Aufwendungen für Produktionsmittel inklusive Fremdlöhne und Zinsen um 5,5 % auf 40,4 Mrd Can$ (29,9 Mrd Euro). Unter dem Strich blieb den Erzeugern jedoch mehr als im Vorjahr übrig: Der sektorale Jahresüberschuss erreichte nach Angaben des Ministeriums mit fast 13,1 Mrd Can$ (9,7 Mrd Euro) einen neuen Rekordwert und lag 13,6 % über dem Vorjahresniveau und 44,1 % über dem Fünfjahresmittel. Das durchschnittliche Farmeinkommen stieg gegenüber 2011 um fast 17 % auf 74 190 Can$ (54 975 Euro); in den fünf Jahren zuvor hatte es im Mittel nur bei 48 431 Can$ (35 887 Euro) gelegen.

Schweinehalter verdienten unterdurchschnittlich

Besonders positiv gestaltete sich im vergangenen Jahr dem kanadischem Agrarressort zufolge die finanzielle Entwicklung bei den Produzenten von Getreide und Ölsaaten. Betriebe mit dieser Ausrichtung profitierten von dem globalen Preisanstieg für diese Kulturen als Folge der Dürre in den USA und dem im Vergleich zu 2011 besseren Anbaubedingungen im eigenen Land. Im Schnitt erzielten diese Unternehmen 2012 ein Nettoeinkommen von 106 103 Can$ (78 622 Euro); das waren fast 24 % mehr als im Vorjahr. Nach oben ging es auch mit dem Verdienst der Kartoffelerzeuger, und zwar um 6,5 % auf 249 069 Can$ (184 560 Euro). Zum Anstieg trug hier wesentlich bei, dass die staatlichen Zuwendungen und Versicherungszahlungen 2012 infolge der schlechten Ernte 2011 um fast 50 % auf 122 480 Can$ (90 757 Euro) aufgestockt wurden.

Wesentlich geringer im Vergleich zu den Pflanzenbaubetrieben fielen die Zuwächse in der Regel bei den tierischen Veredlungsbetrieben aus. Die Milchfarmen in Kanada erlösten im vorigen Jahr durchschnittlich 581 906 Can$ (431 192 Euro) und hatten 436 322 Can$ (323 315 Euro) Betriebskosten; der Nettogewinn lag damit bei 145 584 Can$ (107 877 Euro) und übertraf das Vorjahresniveau um 2,5 %. Besser lief es laut Ministerium für die Produzenten von Eiern und Geflügelfleisch, die sich über einen Einkommenszuwachs von 12,3 % auf 198 459 Can$ (147 058 Euro) freuen konnten. Völlig vorbei ging die gute wirtschaftliche Entwicklung dagegen an den Schweineerzeugern. Etwas geringere Erlöse und höhere Betriebskosten als im Vorjahr führten im Schnitt zu einem deutlich Rückgang ihres Nettofarmeinkommens um 38,9 % auf 54 272 Can$ (40 215 Euro); das mittlere Ergebnis der vergangenen fünf Jahre wurde um 6,1 % verfehlt.

Einkommen 2013 kaum schwächer

Die weitere Einkommensentwicklung in der kanadischen Landwirtschaft beurteilt das Agrarministerium recht positiv. Es wird davon ausgegangen, dass die Verkaufserlöse einschließlich der staatlichen Zuwendungen im laufenden Jahr mit 53,9 Mrd Can$ (39,9 Mrd Euro) um rund 1 % über dem Niveau von 2012 liegen werden. Auf der anderen Seite wird aber auch mit einem weiteren Anstieg der Produktionskosten gerechnet, den das Agrarressort auf 2 % veranschlagt. Unterm Strich würde das durchschnittliche Einkommen des landwirtschaftlichen Sektors demnach um 1 % auf knapp 12,9 Mrd Can$ (9,6 Mrd Euro) sinken, aber immer noch auf einem historisch hohen Niveau verharren. Im Bereich Pflanzenbau rechnen die Analysten für 2013 wieder mit einem größeren Angebot infolge besserer Ernten, was zu niedrigeren Preisen für Getreide und Ölsaaten führen dürfte. Das Einkommen der Farmen mit dieser Produktionsausrichtung sehen die Experten aus Ottawa deshalb gegenüber 2012 um fast 6 % auf knapp 100 000 Can$ (74 100 Euro) im Schnitt sinken. Im Kartoffelbau soll sich dagegen der seit 2006 anhaltende Trend steigender Einkünfte fortsetzen und die Betriebe einen um 4 % höheren operativen Gewinn einfahren.

Tierische Veredlung holt auf

Im Bereich der tierischen Veredlungserzeugnisse erwartet das Landwirtschaftsministerium für 2013 einen durchschnittlichen Anstieg der Verkaufserlöse um 3 % auf insgesamt 21,6 Mrd Can$ (16,0 Mrd Euro). Hoffnung auf bessere Zeiten können sich dabei vor allem die Rindererzeuger machen, die von steigenden Preisen infolge abnehmender Bestände profitieren sollen. Für diesen Betriebszweig, der stark vom Kälberverkauf geprägt ist, wird ein Einkommenszuwachs von mehr als 10 % auf 19 170 Can$ (14 205 Euro) prognostiziert. Das mittlere Einkommen der Schweinehalter soll sich 2013 um 25 % gegenüber dem Vorjahr auf 67 905 Can $ (50 318 Euro) verbessern. Bei den Milchfarmen soll dieses um 4,3 % auf fast 152 000 Can$ (112 6320 Euro) zulegen; für die Eier und Geflügelproduzenten wird ein Anstieg um gut 10 % auf 218 000 Can$ (161 538 Euro) erwartet.

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