19.08.2014 08:19
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Niederlande
Einfuhrstopp: Hollands Bauern befürchten Milliardenschaden
Das russische Importverbot für Agrarprodukte könnte in Holland einen deutlich grösseren ökonomischen Schaden anrichten als bislang angenommen. Der niederländische Bauernverband (LTO) bezifferte vergangene Woche die zu erwartenden finanziellen Ausfälle auf rund 520 Mio. Euro (634 Mio. Fr.).

Das ist ein Vielfaches des Betrages, der laut Haager Statistikamt (CBS) im Jahr 2013 mit den jetzt vom Boykott betroffenen Produkten bei Export nach Russland erzielt wurde. Davon entfielen unter anderem 257 Mio. Euro (314 Mio. Fr.) auf Molkereiprodukte, 87 Mio. Euro (106 Mio. Fr.) auf Gemüse, 52 Mio. Euro (63 Mio. Fr.) auf Obst und 89 Mio. Euro (109 Mio. Fr.) auf Fleisch.

Preissenkungen von 75 bis 80 Prozent

Laut LTO ist der tatsächliche Wert der niederländischen Agrarexporte nach Russland allerdings wesentlich höher,weil viele holländische Güter auch über andere Länder wie Litauen, Polen und Finnland nach Russland ausgeführt werden. Ausserdem berücksichtigten die CBS-Daten dem Verband zufolge die möglichen Preissenkungen infolge der wegbrechenden russischen Nachfrage.

Allein eine produktübergreifende Preissenkung von durchschnittlich 10 Prozent entspricht nach Berechnungen des LTO monatlichen Umsatzeinbussen von ungefähr 250 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro (305 bis 610 Mio. Fr.). Bei einigen Frischeprodukten im heimischen Markt verzeichnete der Verband bereits Preissenkungen von 75 bis 80 Prozent. Ausserdem wird von einem großen Schaden im Milch- und Fleischsektor ausgegangen.

10'000 Arbeitsplätze gefährdet

Der LTO rechnet infolge des Importverbots auch langfristig mit negativen wirtschaftlichen Folgen wie dem Verlust von Marktanteilen und einer geschwächten Wettbewerbsposition in Russland. Derweil gingen Analysten der ING Bank davon aus, dass durch die russischen Sanktionen rund 10'000 Arbeitsplätze Niederlanden gefährdet seien, und zwar in der Landwirtschaft, in der Lebensmittelindustrie und im Transportsektor.

Vor diesem Hintergrund forderte der LTO gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden (VON/NCW) und dem Verband der kleinen und mittleren Unternehmen (MKB Nederland) in einem Brief an die im HaagerWirtschaftsministerium für Agrarfragen zuständigen Staatssekretärin Sharon Dijksma Stützungsmassnahmen für die betroffenen Sektoren auf nationaler und EU-Ebene.

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