9.08.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Deutschland
Eier-Skandal: «Das ist kriminell»
Der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat das Krisenmanagement der Niederlande und Belgiens im Skandal um belastete Eier kritisiert. Die Geschwindigkeit und der Umfang der Informationen sei zu optimieren, sagte er in einem Zeitungsinterview. Schmidt sieht auch kriminelle Machenschaften hinter dem Skandal.

Was geschehen sei, «das ist kriminell, ganz klar», sagte der CSU-Politiker am Dienstag im Fernsehsender ARD. In Telefongesprächen mit seinen Amtskollegen aus den Beneluxstaaten habe er am Montag «unmissverständlich» zum Ausdruck gebracht, dass er «schnelle Informationen und Transparenz» erwarte, sagte Schmidt der «Neuen Osnabrücker Zeitung» vom Dienstag.

Schmidt weist Kritik zurück

Schmidt fügte hinzu, es würden nun Verbindungsbeamte in die jeweiligen Behörden der Länder entsandt. Er wies Kritik von Grünen-Politikern an seinem Krisenmanagement zurück. Zuvor war bekannt geworden, dass Belgien bereits Anfang Juni vom Fipronil-Verdacht wusste, aber erst am 20. Juli EU-weit gewarnt hatte.

Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer warf Schmidt vor, er wolle in Deutschland das Vorgehen in dem Skandal nicht koordinieren. «Das bedauere ich sehr», sagte der Grünen-Politiker. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel forderte, das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil vorsorglich ganz vom Markt zu nehmen. Neben zehn Millionen Eiern aus den Niederlanden sind in Deutschland nach Meyers Worten 16 Millionen belastete Eier aus Niedersachsen zurückgerufen worden und müssen vernichtet werden. 

Mehrere Länder betroffen

Der Discounter Aldi nahm deutschlandweit seine Eier aus den Regalen, andere Supermarktketten schränkten den Verkauf aus Sicherheitsgründen ein. Auch in der Schweiz wurden belastete Eier aus dem Verkehr gezogen. Vorsorglich zog die Migros betroffene Eier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bis 26. August sofort zurück. Auch Coop hat vorsorglich importierte Eier, die unter der Marke Prix-Garantie angeboten werden, für den Verkauf gesperrt. Der Discounter Aldi nahm ebenfalls vorsorglich alle Importeier aus den Regalen.

Am Montag teilte der Discounter Denner mit, im Zusammenhang mit möglichen Belastungen durch Fipronil verkaufte Importeier vorsorglich zurückzunehmen. Betroffen seien Zehner- und 15-er-Packungen mit Eiern mit einem Gewicht von 52 respektive 53 Gramm, aus Freiland- und aus Bodenhaltung. Inzwischen weitete sich der Skandal auf Schweden, Frankreich und Grossbritannien aus. Das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil war zuerst in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden.

Niederlande testen Hühnerfleisch

Die niederländischen Behörden testen angesichts des Fipronil-Skandals nun auch Hühnerfleisch auf mögliche Belastungen. Ein Sprecher der niederländischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) sagte am Dienstag, derzeit werde Hühnerfleisch in Betrieben untersucht, in denen mit Fipronil belastete Eier entdeckt worden seien. Betroffen seien «einige Dutzend» Höfe, die sowohl Eier als auch Hühnerfleisch produzierten, erklärten die Behörden.

Dem Bauernverband LTO zufolge gibt es nur wenige solche Höfe - die meisten Betriebe produzieren entweder Eier oder Fleisch. Die Tests seien eine reine Vorsichtsmassnahme, sagte Behördensprecher Tjitte Mastenbroek. Sind sie negativ, dürften die betroffenen Betriebe auch wieder ihr Hühnerfleisch verkaufen.  Der LTO bezeichnete die Wahrscheinlichkeit, dass das Insektizid auch bei dem Fleisch nachgewiesen werden könnte, als gering.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE