10.08.2017 17:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Eier-Skandal
Eier-Skandal: 2 Manager verhaftet
Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier sind in den Niederlanden zwei Manager festgenommen worden. Es handelt sich um Führungskräfte des Unternehmens, das verbotenerweise das Insektizid zum Reinigen von Hühnerställen benutzt haben soll.

Nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Manager am Donnerstag nach einer Durchsuchung ihrer Wohnungen in der Nähe von Utrecht festgenommen. Ihnen wird eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch den Einsatz von Fipronil in Ställen von Legehennen vorgeworfen, ausserdem der Besitz verbotener Substanzen.

Alle betroffenen Betriebe waren Kunden

Alle rund 180 niederländischen Eierproduzenten, bei denen mit Fipronil belastete Eier gefunden wurden, waren Kunden der Firma. Das für die Nutztierhaltung verbotene Fipronil wurde vor allem zur Bekämpfung der für Legehennen gefährlichen Blutlaus eingesetzt. Ausserdem wurden Büros von zwei anderen Unternehmen durchsucht, die als Zulieferer in den Eier-Skandal verwickelt gewesen sein sollen. Dabei wurden auch Bankunterlagen und Computer beschlagnahmt. In den Niederlanden gab es den Behördenangaben zufolge Durchsuchungen an insgesamt acht Orten.

Auch in Belgien gab es eine Reihe von Durchsuchungen. Die Ermittlungen waren zwischen den Strafverfolgungsbehörden beider Länder abgestimmt, hiess es. Nach Angaben des niederländischen Bauernverbandes beträgt der durch den Eier-Skandal entstandene Schaden für die Geflügelhalter mindestens 150 Millionen Euro.

Für Gesundheit keine Gefahr

Im Zuge des Skandals wurden Millionen Eier aus den Regalen von Supermärkten genommen und vernichtet. Betroffen sind neben der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Belgien auch Länder wie Schweden und Grossbritannien. Der Skandal in Grossbritannien weitet sich aus. Es seien 700'000 betroffene Eier importiert worden - also etwa 33 Mal so viel wie bislang vermutet, teilte die Behörde für Lebensmittelsicherheit (Food Standards Agency, FSA) in London mit. In ersten Schätzungen waren die Experten noch von 21'000 Eiern ausgegangen.

Eine Gefahr für die Gesundheit hält die Behörde für «sehr unwahrscheinlich». Etwa 85 Prozent der im Vereinigten Königreich verzehrten Eier stammen aus dem eigenen Land.

Wer trägt Verantwortung


Auf politischer Ebene gibt es unterdessen weiter Streit darüber, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Verbraucher erst Wochen nach der Entdeckung der ersten mit Fipronil belasteten Eier gewarnt wurden. Grund dafür sind vor allem Angaben der bislang viel kritisierten belgischen Behörden.

Ihnen zufolge hatten auch die Niederlande und die EU-Kommission bereits seit längerem Hinweise auf einen möglichen Skandal. So musste die EU-Kommission am Mittwochabend einräumen, dass Belgien schon am 6. Juli Informationen über Fipronil-Funde in eine EU-Plattform eingespeist hatte, um die Niederlande zu einer Kooperation bei Nachforschungen zum Thema zu bewegen.

Anonymer Hinweis im Jahr 2016

Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) bestätigte, dass es bereits 2016 einen anonymen Hinweis auf den Einsatz des Insektengifts bei der Reinigung von Ställen gab. Beide Seiten wiesen Vorwürfe der Tatenlosigkeit allerdings zurück. Die EU-Kommission erklärte, die von Belgien genutzte EU-Plattform werde von ihr lediglich technisch überwacht. Die niederländische NVWA teilte mit, sie bekomme jedes Jahr Hunderte von Tipps über vermutete Unregelmässigkeiten und es habe damals keine Hinweise auf ein akutes Risiko für die Lebensmittelsicherheit gegeben.

Ein Sprecher der EU-Kommission kritisierte zudem die aktuelle Diskussion über mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit. «Es ist jetzt nicht der Moment für gegenseitige Schuldzuweisungen», sagte er. Die Bürger erwarteten entschiedenes, abgestimmtes und transparentes Handeln aller Beteiligten. Dafür seien in erster Linie die Mitgliedstaaten verantwortlich. Die Kommission werde weiterhin alles dafür tun, sie zu unterstützen und stehe auch bereit, mit den Mitgliedstaaten über mögliche Verbesserungen der aktuellen Warnsysteme zu diskutieren.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE