9.10.2019 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Deutsche Bauern planen Gross-Demo
Am 22. Oktober wollen die Landwirte in Bonn demonstrieren, berichten Topagrar und agrarheute. Der Aufruf zur Kundgebung stammt von der Gruppe «Land schafft Verbindung». -> Mit Video

Die deutschen Bauern sind verärgert. Immer neue Auflagen wie die Düngeverordnung, der Insektenschutz, Glyphosatverbot oder das Klimagesetz setzen ihnen zu.

Zudem fühlen sich Landwirte durch Politik, Medien und Gesellschaft an den Rand gedrängt. Die Proteste der niederländischen Bauern am 1. Oktober nehmen die deutschen Landwirte zum Anlass, ebenfalls auf die schlechte Situation aufmerksam zu machen. 

Laut sein, aber keine Gewalt

Einige Bauern gründeten die Facebook-Gruppe «Land schafft Verbindung». Innert wenigen Tagen haben sich über 10'000 Landwirte dort zusammengefunden. Die Gruppe plant eine Protestaktion am 22. Oktober 2019 um 11:00 Uhr auf dem Münsterplatz in Bonn. Neben der Gross-Demo mit Traktorenkonvoi soll es auch regionale Kundgebungen geben. Die Organisatoren rufen sämtliche Bauern in Deutschland auf, sich an der Kundgebung in Bonn oder an regionalen Veranstaltungen zu beteiligen.

Mitorganisator Thomas Andresen vom Hof Barslund aus Schleswig-Holstein ruft in einem Video zu einer lauten, aber zugleich friedlich ablaufenden Demonstration auf: «Wir wollen laut sein, wir wollen Aufmerksamkeit erreichen, wir wollen in die Nachrichten kommen, wir wollen Traktoren auf den Strassen sehen und wir wollen Druck aufbauen. Was wir nicht wollen, sind brennende Strohballen und Reifen oder Gülle vor irgendwelchen Verwaltungsgebäuden.»

Einstehen für künftige Bauern

Andresen schwört die Bauern darauf ein, zusammen zu halten. «Es ist ganz wichtig, dass Winzer, Mutterkuhhalter, Milchbauern, bio oder konventionell, zusammenstehen.» Der wichtigste Grund sei aber, und nun schwenkt der Landwirt auf seinen Sohn, dass auch die künftige Generation von Landwirten mit Spass und Elan den Beruf ausüben können, macht er klar. Er rät den Bauern, regionale Gruppen zu bilden, die sich dann vernetzen. 

Verständnis für die Protestaktion zeigt der Deutsche Bauernverband (DBV). «Wir schliessen nicht aus, dass auch deutsche Bauern ihren aufgestauten Unmut in dieser Form ausdrücken. Sofern solche Proteste gewaltfrei bleiben, würden wir diese auch unterstützen», sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied. Er setzt sich aber ausdrücklich für einen Dialog mit der Gesellschaft ein.  

Die Gruppierung hat folgende Forderungen an Agrarministerin Julia Glöckner:

  • «Das Agrarpaket gefährdet bäuerlichen Familienbetriebe. Wir wollen sie erhalten.»
  • «Die Verschärfung der Düngeverordnung führt zu Unterdüngung. In den sogenannten roten Gebieten schadet das dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt.»
  • «Buhmann der Politik und vieler NGOs: Die permanente negative Stimmungsmache, das Bauernbashing, führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung. Das gefährdet die Zukunft der Betriebe und des ländlichen Raums. Unter solchen gesellschaftlichen Umständen und ständig an den Pranger gestellt, oft weder fach- noch sachgerecht, verliert der Beruf des Landwirts seine Attraktivität.»
  • «Das Mercosur-Handelsabkommen gefährdet durch Billigpreise importierter Waren, die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.»

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE