1.10.2014 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Weitere 700'000 ha Ackerland gehen verloren
Der Flächenverbrauch wird in Deutschland in den nächsten Jahren rückläufig sein, bleibt aber hinter dem Minderungsziel von durchschnittlich 30 ha am Tag zurück. Das geht aus einer neuen Modellrechnung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor.

Danach wird sich die Inanspruchnahme von Flächen für neue Siedlungen, Gewerbe und Verkehrsinfrastruktur in Deutschland bis 2030 auf 45 ha pro Tag im Mittel verlangsamen. Im Zeitraum 2009 bis 2012 lag dieser Wert laut BBSR bei 74 ha.

Landverlust um Berlin bleibt hoch

Den Modellrechnungen zufolge werden sich regionale Unterschiede verfestigen. Danach wird die Siedlungs- und Verkehrsfläche vor allem in prosperierenden westdeutschen Grossstädten und ihrem Umland sowie im Umfeld von Berlin besonders stark zunehmen.

In Schrumpfungsregionen und ländlichen Räumen in Randlage drohen hingegen Leerstand und weitere Brachflächen. Etwa 40 Prozent des gesamten Siedlungs- und Verkehrsflächenzuwachses betreffen ertragreiche siedlungsnahe Ackerböden. Die Wissenschaftler erwarten einen Rückgang der Landwirtschaftsflächen bis 2030 um 2 Prozent oder rund 700'000 ha. Demgegenüber wird für Waldflächen bis 2030 eine Zunahme vorhergesagt. Das BBSR geht von bundesweit 300'000 ha aus, die vor allem auf Natur- und Offenland sowie auf Grünland entstehen sollen.

Grosse Potentiale für Innenentwicklung

Das Bundesinstitut weist darauf hin, dass nicht nur in Wachstumsregionen landwirtschaftliche Flächen in Siedlungs- und Verkehrszwecke umgewidmet würden, sondern auch in strukturschwächeren Regionen. „Gerade in Kommunen mit schrumpfender oder stagnierender Bevölkerung werden nach wie vor Gewerbe- und teilweise auch Wohnbauflächen auf der grünen Wiese ausgewiesen“, so einer der Autoren der Studie, Roland Goetzke. Gleichzeitig seien jedoch die Potentiale für die Innenentwicklung enorm.

Es sei davon auszugehen, dass bundesweit mindestens 120'000 ha bis 165'000 ha allein an Brachflächen und Baulücken potentiell zur Verfügung stünden. Das sei das Drei- bis Vierfache der Fläche, die derzeit jährlich neu für Siedlungs- und Verkehrszwecke beansprucht werde.

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