16.12.2014 11:19
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Poulet nur noch GVO-frei?
Angesicht der aktuellen Diskussion um den Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln in der Geflügelwirtschaft hat sich der Deutsche Bauernverband (DBV) für die Wahlfreiheit der Produzenten beim Futter ausgesprochen. Hintergrund ist die Ankündigung des Geflügelfleischproduzenten Wiesenhof, den Kunden künftig wieder Fleisch von Tieren anzubieten, die nicht mit Futtermitteln auf Basis von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gemästet wurden.

Entsprechende Medienberichte bestätigte der Konzern Anfang vergangener Woche gegenüber AGRA-EUROPE und teilte mit: „Ja, wir sehen uns in der Lage, in absehbarer Zeit wieder GVO-frei zu liefern, wenn dies von Kundenseite gewünscht wird.“ Der DBV unterstütze freiwillige Initiativen zur Erzeugung von Lebensmitteln mit der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ genauso wie die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards in der Futtermittelerzeugung, erklärte DBV-Vizepräsident Werner Hilse dazu im Rahmen einer Sitzung des Fachausschusses Eier und Geflügel.

Frage der Haftung

Forderungen nach einer vollständigen Umstellung der Fütterung der Nutztiere erteile er jedoch eine Absage. „Um dem Kosnumenten beim Einkauf die Wahlfreiheit zu ermöglichen, ist für diese Marktsegment eine Kennzeichnung der Lebensmittel notwendig“, betonte Hilse. Aus Sicht der Landwirtschaft müssen dem DBV-Vizepräsidenten zufolge bei der Umsetzung von Produzentenprogrammen „ohne Gentechnik“ einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Dazu gehöre vor allem, dass die erforderlichen Mengen den rechtlichen Anforderungen entsprechend auch in ausreichender Qualität verfügbar sein
müssten. Bei möglichen Vermischungen, die über den gesetzlichen Grenzwert hinausgingen, läge die Haftung nach Auffassung des DBV bei den Futtermittellieferanten. „Diese Haftung kann nicht den Landwirten aufgebürdet werden“, stellte Hilse klar.

Starkes Signal

Beim Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) und bei Greenpeace stiess die Ankündigung von Wiesenhof auf Zustimmung und wurde als Startsignal für die gesamte Geflügelbranche zum Verzicht auf „Genfutter“ gewertet. Im Februar 2014 hatten die Geflügelhalter in Deutschland erklärt, ihre Zusage zur ausschliesslichen Verwendung von gentechnikfreiem Soja aufgrund der Angebotsverknappung und Kontaminationsprobleme nicht mehr aufrechterhalten zu können.

Nach Angaben des VLOG tobt seitdem zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel und der Geflügelindustrie eine Auseinandersetzung um die gentechnikfreie Fütterung. Eine Branchenlösung sei im September gescheitert, weshalb die Supermarktketten nun auf bilaterale Lösungen setzten und dabei vermehrt auch auf GVO-freies Geflügelfleisch aus dem Ausland zurückgriffen. VLOG-Sprecher Alexander Hissting begrüsste den sich nun abzeichnenden Umschwung: „Wir freuen uns über Wiesenhofs Ausstieg aus dem Ausstieg.“

Das sei eine längst überfällige Entscheidung. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich nun die anderen Geflügelvermarkter der Forderung des Handels noch zur Wehr setzen könnten. „Wir gehen von einer nahezu vollständigen Rückkehr der Geflügelfleischindustrie zur gentechnikfreien
Produktion innerhalb der nächsten Monate aus“, so Hissting. Dies sei auch ein starkes Signal an die Sojaproduzenten in Brasilien, weiterhin auf Gentechnikfreiheit zu setzen.

McDonalds soll folgen

Nach zahlreichen Protesten von Greenpeace-Aktivisten vor verschiedenen Supermarktketten gegen GVO-Soja in der Tiermast, verbuchen die Umweltschützer die Kehrtwende bei der PHW-Gruppe (Eigentümer von Wiesenhof) auch als ihren Erfolg. „Die Greenpeace-Kampagne gegen
GV-Futter zeigt Wirkung: Wiesenhofs Entscheidung gegen GV-Soja ist ein Signal an die gesamte Geflügelbranche“, betonte die Agrarreferentin der Organisation, Stephanie Töwe. Sie forderte auch die anderen Geflügelproduzenten auf, wieder zu Futter ohne GVO-Soja zurückzukehren.

Gleiches gelte aber auch für McDonalds. Die Fastfoodkette ist nach Angaben von Greenpeace mit jährlich 21'000 t ein Grossabnehmer von Geflügelfleisch in Deutschland und spielt eine zentrale Rolle, wenn es um die Standards in der Haltung und Fütterung geht.

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