14.10.2016 09:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Grossbritannien
Brotaufstrich-Knatsch wegen Brexit
Der Brexit ist im Supermarktregal der Briten angekommen. Ausgerechnet der urbritische Brotaufstrich Marmite ist von einem Preiskampf betroffen. Dahinter steckt der schwache Kurs des Britischen Pfunds, der infolge des Brexit-Votums deutlich gefallen ist.

Würzig-säuerlich, im Abgang bitter und von schmieriger Konsistenz - so lässt sich der britische Brotaufstrich Marmite beschreiben. Das beliebte Produkt aus Hefeextrakt steht seit dieser Woche im Mittelpunkt eines landesweiten Aufschreis in Grossbritannien.

Der Grund: Hersteller Unilever hat offenbar die Lieferung von Marmite und anderen Produkten an Grossbritanniens grösste Supermarktkette Tesco gestoppt. «Teile Grossbritanniens sind nicht mehr mit Marmite versorgt», schrieb der «Guardian» am Donnerstag in alarmierendem Ton auf seiner Webseite.

Höhere Einkaufskosten

Dahinter steckt die Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt (Brexit). Die hatte den Kurs des Pfunds in den Keller sausen lassen. 17 Prozent verlor die britische Währung zum US-Dollar seit dem Referendum am 23. Juni. Für den Lebensmittelkonzern Unilever bedeutet das erheblich höhere Kosten für den Einkauf in Euro und Dollar.

Deswegen verlangt der Konzern Medienberichten zufolge, dass die Kunden im Laden bis zu zehn Prozent mehr für seine Produkte bezahlen. Dazu gehören neben Marmite auch die beliebten Teebeutel der Marke PG, Hygieneartikel von Dove, Speiseeis von Ben & Jerry's und das Waschmittel Persil.

Machtkampf

Aber weil Tesco das nicht mitmachen will, leeren sich nun die Regale. Auf der Webseite des Lebensmitteleinzelhändlers war am Donnerstag unter einer Marmite-Abbildung zu lesen: «Es tut uns leid, dieses Produkt ist zur Zeit nicht erhältlich». Bestätigen wollten beide Unternehmen den Preiskampf auf Anfrage nicht.

In einer Mitteilung von Tesco am Donnerstag hiess es lediglich: «Wir haben zur Zeit Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit von einer Anzahl von Unilever-Produkten.» Unilever hielt sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa auch bedeckt. Finanzchef Graeme Pitkethly sagte aber bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Donnerstag, er hoffe dass der Streit «ziemlich bald erledigt» sei und deutete an, dass Tescos Konkurrenten bereits nachgegeben haben.

Konkurrenzkampf mit Discountern

Für britische Supermarktketten wie Tesco und Sainsbury's bedeuten die Forderungen der Hersteller weiteren Druck im Konkurrenzkampf mit deutschen Discountern wie Aldi und Lidl. Die drängen seit einigen Jahren mit Macht auf den britischen Markt und haben dort für einen Preisverfall gesorgt. Mit ihrem breiten Sortiment an Eigenmarken könnten die Discounter nun den britischen Supermärkten weitere Marktanteile abjagen, so die Sorge.

Für viele Briten ist der «Marmite-Krieg», wie der Preiskampf von Medien teilweise genannt wird, die erste spürbare Folge des Brexits. Dass es ausgerechnet ein urbritisches Produkt wie Marmite treffen könnte, überrascht offenbar und trifft die Menschen ins Mark.

Marmitegate trendet auf Twitter

Zahlreiche Twitter-Nutzer vermuteten, der niedrige Pfundkurs sei nur ein vorgeschobener Grund für Preiserhöhungen - schliesslich werde Marmite in Grossbritannien hergestellt, so dass Währungsturbulenzen doch keine Rolle spielen dürften. Der Hashtag #marmitegate schoss in den britischen Twitter-Trends in die Top 10.

Experten dagegen glauben, dass der schmierige Brotaufstrich nur zum Symbol eines sich andeutenden Trends geworden ist. Sobald das lukrative Weihnachtsgeschäft vorüber sei, könnten andere Hersteller dem Beispiel von Unilever folgen, glaubt zum Beispiel Steven Dresser vom Marktanalysten Grocery Insight. «Niemand will die Preise vor Weihnachten erhöhen. Andere warten möglicherweise einfach bis Januar.» Ähnlich wie Marmite könnte der Brexit dann auch vielen Konsumenten im Abgang bitter schmecken.

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