7.10.2014 09:19
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Bayern: „Höfesterben“ so gering wie nie zuvor
Der Strukturwandel in der bayerischen Landwirtschaft ist so schwach wie nie zuvor. Das geht aus dem Agrarbericht 2014 hervor, den Landwirtschaftsminister Helmut Bruner am vergangenen Mittwoch im Agrarausschuss des Landtags in München vorgestellt hat.

Nach Angaben des Ministers hat sich die Quote der alljährlichen Betriebsaufgaben in den vergangenen zehn Jahren von 3 auf 1,5 Prozent halbiert. Bayern habe im Jahr 2013 noch etwa 112'000 landwirtschaftliche Betriebe und damit rund ein Drittel aller deutschen Bauernhöfe gezählt. Jeder siebte Arbeitsplatz landesweit hänge direkt oder indirekt mit der Land- und Forstwirtschaft zusammen, erklärte der Ressortchef.

Keine Nachwuchssorgen

Gleichzeitig machten die im Agrarsektor erzielten Umsätze von 153 Mrd. Euro (186 Mrd. Fr.) fast 15 Prozent der Gesamtumsätze der bayerischen Wirtschaft aus. Nachwuchssorgen gibt es laut Brunner nicht: 805 angehende Landwirte hätten im vergangenen Jahr ihre Ausbildung begonnen. Das seien so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die positive Entwicklung zeige, „dass der eigenständige bayerische Weg in der Agrarpolitik erfolgreich ist“, so der Minister.

Ziel sei es, allen Betrieben Zukunftsperspektiven zu eröffnen, unabhängig von ihrer Grösse und der Bewirtschaftungsform. „Wir wollen keine industriellen Agrarstrukturen; die Betriebesollen sich zukunftsfähig weiterentwickeln, aber bäuerlich bleiben“, sagte Brunner. Familienbetriebe seien flexibler, stabiler und damit konkurrenzfähiger.

Zweites Standbein

Rund 60 Prozent der Höfe haben nach Brunners Angaben neben der Landwirtschaft inzwischen ein zweites unternehmerisches Standbein, vor allem in der Energieerzeugung, der Direktvermarktung und dem Tourismus. Die Durchschnittsgewinne der hauptberuflich tätigen Bauern seien im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 % auf 54'000 Euro (65'800 Fr.) geklettert, was auf die steigenden Produzentenpreise für Agrarprodukte zurückzuführen sei. Insgesamt 59 Prozent der Betriebe würden derzeit im Nebenerwerb bewirtschaftet.

Die Zukunftsaussichten für die Landwirtschaft sieht der Minister trotz zu erwartender Preisschwankungen positiv, denn „der Bedarf an Lebensmitteln und Agrarrohstoffen steigt beständig und der Stellenwert der Land- und Forstwirtschaft nimmt weltweit zu.“

Kritik am Agrarbericht übte der agrarpolitische Sprecher der Freie Wähler im Münchner Landtag, Leopold Herz. Er warf der CSU vor, die Augen vor den tatsächlichen Problemen der heutigen Landwirtschaft zu verschliessen. Seit der letzten Reform des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) seien beispielweise Alternativpflanzen zum Maisanbau nicht mehr förderfähig. „Die Staatsregierung will angeblich die Bioökonomie fördern, schafft es jedoch nicht, entsprechende Fördermodalitäten beizubehalten, die einen Anreiz schaffen, Mais durch alternative Energiepflanzen zu ersetzen“, monierte Herz.

Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten

Auch aus den Reihen der bayerischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen kam Kritik amAgrarbericht. Die agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl warf der CSU vor, dem Aspekt der Direktvermarktung und Regionalisierung für die Rettung der bäuerlichen und ländlichen Strukturen in Bayern zu wenig Bedeutung beizumessen „Der Strukturwandel ist nicht aufzuhalten, er schreitet in diesem Jahr nur langsamer voran“, gab Sengl zu bedenken.

Allerdings halte sie „die Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung sehr wohl für eine wirksame Überlebensstrategie.“ Die Fraktionssprecherin vermisst ausserdem echte Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher, ohne die eine regionale Direktvermarktung und ökologisches Einkaufen im ländlichen Raum nicht richtig Fuss fassen könne.

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