22.04.2019 09:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Bauern und Arbeiter im Clinch
Die Landwirtschaftskammer Österreich hat die Arbeiterkammer Österreich heftig für deren kürzlich erschienenen Preismonitor kritisiert, demzufolge Konsumenten für preiswerte Lebensmittel in Wien deutlich mehr ausgeben müssen als in Berlin.

Die Arbeitskammer hatte im vergangenen Februar in mehreren Geschäften in Wien und Berlin jeweils 40 preiswerte Lebensmittel eingekauft. Nach ihren Angaben hatte der Einkaufskorb jeweils durchschnittlich 81,99 Euro netto (93.50 Fr.) gekostet, in Berlin 72,98 Euro (83.20 Fr.) 

Grosse Preisdifferenzen habe es unter anderem bei Pouletkeulen gegeben, von denen 1 kg in Wien durchschnittlich 6,34 Euro (7.23 Fr.) und in Berlin 2,39 Euro (2.73 Fr.) gekostet habe, sowie bei Frischmilch. Für 1 l davon hätten Kunden in Wien im Mittel 1,02 Euro (1.16 Fr.) bezahlen müssen, in Berlin 0,61 Euro (70 Rp.). Die Landwirtschaftskammerempörte sich, dass sich die Arbeitskammer „nicht zu schade“ sei, zum Beispiel den niedrigen Preis für Pouletkeulen in Berlin als erstrebenswertes Ziel für österreichische Konsumenten anzuzeigen.

Dabei vergleiche die Arbeitskammer „Äpfel mit Birnen“, weil sie die unterschiedlichen Qualitäten nicht berücksichtige, betonte die Landwirtschaftskammer vergangene Woche. Die österreichische Landwirtschaft könne aufgrund der natürlichen Verhältnisse und deren Strukturen nur mit höchster Qualität bestehen. Den internationalen Wettbewerb mit den billigsten Anbietern „werden wir niemals gewinnen können“, unterstrich Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger.

Dieselbe Arbeiterkammer sei es übrigens auch, die Kürzungen der Agrargelder für die heimischen Bauern fordere und gleichzeitig höchste Anforderungen an die Produktionsstandards sowie die Produktqualität stelle. Man bleibe aber die Antwort schuldig, die ein österreichischer Bauer unter diesen Vorgaben überleben könne, wenn die Milch im Laden nur 0,61 Euro/l kosten solle. Schliesslich werde nicht berücksichtigt, dass beim Verkaufspreis für Lebensmittel auch die Kosten für viele Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette enthalten seien, erklärte Moosbrugger. Es sei nicht anzunehmen, dass die Arbeitskammer eine Absenkung der Lohnkosten fordere.

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