14.07.2020 18:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Bauern-Protest bei Merkel-Besuch
Am Dienstagvormittag reiste die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Chiemsee im Bundesland Bayern. Dort traf sie den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Bauern haben vor Ort gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstriert.

Wie infranken.de berichtet, sorgten Bauern vor dem Treffen von Merkel und Söder am Chiemsee für kilometerlange Staus. Nach Polizeiangaben standen am Vormittag rund 300 Traktoren entlang der Strasse, teils auch als Spalier.

Totengräber der Landwirtschaft

Beim Schiffanleger, wo Angela Merkel (CDU) und Markus Söder (CSU) mit dem Schiff nach Herrenchiemsee ablegen wollten, haben sich 50 Bauern bei einer bewilligten Demo eingefunden. Auf ihren Plakaten stand unter anderem «Die Totengräber der deutschen Landwirte». Das Plakat wurde mit Fotos von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU), Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Söder versehen.

Das Ziel der demonstrierenden Bauern war gemäss agrarheute.com, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. Doch weder Merkel noch Söder wollten mit den Landwirten reden. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stellte sich als einzige Politikerin den Fragen der Bauern.

Nach der Sitzung traten Merkel und Söder vor die Presse. Der Ministerpräsident stellte sich klar hinter den EU-Kurs der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestellt. «Kann dieses Europa bestehen?» sei nun eine der zentralen Fragen, sagte Söder am Dienstag zu Beginn einer Sitzung des bayerischen Kabinetts mit Merkel auf Schloss Herrenchiemsee im südlichen Bayern.

Söder könnte Kanzler werden

Merkel lotet vor einem EU-Gipfel derzeit mögliche Kompromisslinien für einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds nach der Corona-Krise aus. Söder gestand ein, während der Corona-Krise sei es phasenweise schwierig gewesen, in einem europäischen Geist zu denken. «Umgekehrt ist es umso wichtiger, dass wir das jetzt tun», betonte er. Deshalb unterstütze man Merkels Kurs in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Europa sei in dieser schwierigen Phase wertvoll und wichtig.

Söder wird derzeit in deutschen Medien als ihr potenzieller Nachfolger gehandelt. Die «K-Frage» (Kanzlerfrage) stellt sich, weil Merkel nach vier Amtszeiten nicht mehr zur Bundestagswahl 2021 antritt.

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