1.07.2013 11:15
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Bauern demonstrieren in Paris für «Rettung der Tierhaltung»
Mehrere Tausend Landwirte aus ganz Frankreich haben am Sonntag vor einer Woche in Paris demonstriert, um auf die Probleme in der heimischen Tierhaltung aufmerksam zu machen.

Laut Angaben des französischen Bauernverbandes (FNSEA) waren dem gemeinsam mit der Junglandwirteorganisation (JA) gestarteten
Aufruf rund 11'000 Berufskollegen gefolgt; die Polizei registrierte 6'500 Teilnehmer. Auch einige Hundert Tiere waren vor Ort. Über diese wollten die Akteuremit den Städtern in einem „landwirtschaftlichen Dorf“ ins Gespräch kommen.

Stadtbervölkerung sensibilisieren 

Ziel des FNSEA ist es, die Tierhaltung zu einer „nationalen Angelegenheit“ zu machen. Um dies zu erreichen, will der Berufsstand die Städter dazu bringen, verstärkt tierische Produkte mit französischer Herkunft zu konsumieren. Daneben wollen sie der Stadtbevölkerung die Gründe für ihren Unmut erläutern.

Im Fokus der jetzt durchgeführten Demonstration standen Themen vom Anstieg der Produktionskosten über die Anhäufung verbindlicher Normen bis hin zum Druck seitens Industrie und Handel auf die Betriebe. „Die Tierhaltung ist in Gefahr“, betonte FNSEA-Präsident Xavier Beulin. Seinen Worten zufolge ist die Tierhaltung „eine Chance für Frankreich“. Beulin wies darauf hin, dass in einigen Landesteilen die Tierhaltung nicht durch den Getreideanbau ersetzt werden könne. Anfang Juli soll hierzu auch ein Treffen mit Staatspräsident François Hollande stattfinden.

Kräfteverhältnis neu ordnen

Mit ihren grün-weis gestreiften T-Shirts wollten die Verbandsvertreter auf ihrer Demonstration darüber hinaus unterstreichen, dass die Tierhaltung zum produktiven Wiederaufbau Frankreichs beitragen könne. Allerdings müsse dafür die Politik einen gerechten Ordnungsrahmen schaffen, insbesondere um die Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren dieses Produktionszweiges auszugleichen.

Hauptzielscheibe der Kritik waren in Paris in diesem Zusammenhang die grossen Handelsketten. „Das Kräfteverhältnis mit dem Handel ist für uns komplett nachteilig“, erklärte JA-Präsident François Thabuis. Er forderte für die Landwirte die gesetzgeberische Möglichkeit zu fairen Verhandlungen.

Höhere Kosten nicht überwälzbar

Mehrere Gründe erklären die Ursachen für die Krise der französischen Tierhalter, die Fachleuten zufolge mehr eine Vertrauens- denn eine wirtschaftliche Krise ist. So wies der Präsident des französischen Verbandes der Schweineproduzenten (FNP), Jean-Michel Serre s , darauf hin, dass die Produktionskosten seit sieben Jahren mit Ausnahme der Saison 2009/10 gestiegen seien. Diese Verteuerung belaste die Schweinehalter. Trotz eines vor kurzem erfolgten Wiederanstiegs der Schweinepreise fehlten immer noch 5 Cent bis 10 Cent pro Kilogramm, um die Produktionskosten zumindest ausgleichen zu können. Die Schweinehalter könnrn ihre höheren Produktionsausgaben nicht an ihre Kunden weitergeben können.

Als Grund hierfür gilt die Macht des französischen Einzelhandels, der in der Lage ist, allen Branchen die Konditionen aufzuerlegen, was seit langem auch von den Agrarverbänden kritisiert wird. Mit dem landwirtschaftlichen Zukunfts- und dem Konsumgesetz will die Pariser Regierung die Handelsbeziehungen ausgleichen. Darüber hinaus sehen sich die französischen Tierhalter durch die unterschiedlichen, teils höheren Arbeitskosten benachteiligt, insbesondere im Vergleich zu Deutschland.

Hohes Durchschnittsalter

Des Weiteren liegt aus Sicht des JA-Präsidenten bei einem vergleichsweise hohen Durchschnittsalter französischer Betriebsinhaber mit 48,4 Jahren eine der Herausforderungen im Generationenwechsel. Thabuiswies darauf hin, dass viele junge Menschen an der Landwirtschaft interessiert seien. Ausserdem haben in Frankreich die aufeinanderfolgenden Lebensmittelkrisen die Tierhaltung mehr oder weniger stark erreicht.

In der Schweinehaltung etwa sind die Bemühungen zur Sensibilisierung der Verbraucher für die Arbeit der Landwirte durch den Einzelhandel aber begrenzt. Serres verwies in diesem Zusammenhang auf Produkte mit dem Herkunftslogo „Viande porcine française“ (VPF). Derzeit erfüllten die Händler in den Warenregalen nicht die Erwartungen

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