22.12.2014 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Frankreich
Agrarminister will keine Höfe mit 1000 Kühen
Französische Bürger wehrten sich gegen einen Hof mit 1000 Kühen. Nun sagte der Agrarminister: «Solche Höfe haben keinen Platz.»

Tierschützer wehren sich gegen einen Stall für 700 Mastmuni im Kanton Neuenburg. Auch im Ausland regt sich Widerstand gegen grosse Höfe. Am vergangenen Donnerstag berichtete Radio SRF in der Sendung «Echo der Zeit» über den in Frankreich bekannt gewordenen «Bauernhof der 1000 Kühe». Die Einkommen der französischen Bauern seien 2013 um 25 Prozent eingebrochen, so das Radio.

Stört Bild von naturnaher Landwirtschaft

«Was tun? Auf Grösse setzen, das hat sich ein Milchbauer im Norden Frankreichs gesagt und einen Stall für 1000 Kühe gebaut. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass er damit zum Symbol einer Landwirtschaft wurde, die eine Mehrheit seiner Landsleute auf gar keinen Fall will», so der SRF-Reporter. Der grösste Bauernhof Frankreichs störe das Bild von naturnaher Landwirtschaft, das Bild vom Bauern, der mit seinem Boden und mit seinen Tieren verbunden sei.

Eine Fabrik sei das, sagten die Gegner, wo Kühe zu seelenlosen Produktionsfaktoren verkommen. Auch der Reporter bedauerte vor Ort: «Gras, Erde, Blumen bekommen sie nie unter ihre Hufe. Sonne, Regen, einen Baum, um sich daran zu kratzen, keine Kuh wird das je kennen.»  Bauer Michel Welter aber beteuerte, das sei keine Fabrik, und der Schutz der Umwelt und des Tierwohls sei ihm wichtig.

Ganz Frankreich mobilisiert

Michel Kfoury, Arzt im Regionalspital Abbeville, hatte keine Freude am Stall und begann die Nachbarschaft zu mobilisieren. Er befürchtete Antibiotika-Resistenzen wegen der vielen Kühe auf engem Raum. Heute stelle er sich vor allem die Frage, ob die vielen Tiere nicht vor allem Mittel zum Zweck seien, um an «Subventionen» für das geplante Biokraftwerk auf dem Hof zu kommen. Bis 1 Million Euro Zuschüsse könnte der Hof so erhalten, so SRF. Kfourys Bürgerinitiative habe ganz Frankreich mobilisiert: Politiker, Bauern, Intellektuelle und aufgebrachte Konsumenten.

«Wenige haben den Bauernhof je von innen gesehen, alle sind dagegen», stellte der Reporter mit doch etwas kritischem Unterton fest. So aufgebracht sei die Öffentlichkeit gewesen, dass der französische Agrarminister öffentlich verkündet habe, dass ein solcher Bauernhof in Frankreich keinen Platz habe. Für Arzt Kfoury habe sich der Kampf gelohnt: «Juristisch konnten wir den Hof nicht stoppen. Die öffentliche Meinung ist aber gemacht. Es wird keinen zweiten solchen Hof mehr geben.»

«Nur» 500 Kühe

Der sogenannte «Bauernhof der 1000 Kühe» von Michel Welter und Partnern war konzipiert für 1000 Milchkühe. Aber die Behörden bewilligten einen Stall für «nur» 500 Milchkühe. Derzeit werden laut SRF auf einem Karussell mit 50 Melkplätzen in 2,5 Stunden 450 Kühe gemolken. Bald kommen noch 800 Zuchtrinder auf den Hof. Das geplante Biogaskraftwerk soll eine installierte Leistung von 1,3 Megawatt aufweisen. Laut SRF ermöglichen die hohen Zuschüsse für das Biogaskraftwerk dem Hof einen Milchpreis von 28 Cent/kg. Die «Kleinbauern» in der Region bräuchten jedoch 38 Cent/kg, «um rentabel arbeiten zu können». sal

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