6.06.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handel
Agrarhandelsstreit setzt sich fort
Der Handelskonflikt im Agrarbereich zwischen Russland und der Türkei geht in eine neue Runde. Erst Anfang Mai hatte die Türkei den Mitte März eingeführten Prohibitivzoll von 130 % für russischen Weizen wieder abgeschafft.

Nun will die Türkei die Einfuhr aber wieder auf andere Art begrenzen. Medienberichten zufolge soll der Weizenimport in einem Quotensystem geregelt werden, wobei die Einfuhr aus Russland 20% bis 25% der türkischen Gesamtimporte aus allen Ländern nicht übersteigen darf.

Dies soll auch für den Bezug von Sonnenblumenöl und - schrot sowie Mais gelten. Die Entscheidung wurde vom Wirtschaftsministerium in Istanbul getroffen und damit begründet, dass die türkischen Behörden ihre Importabhängigkeit gleichmässig auf mehrere Länder verteilen wollten, um im Fall eines Handelsstreits mit einem Land die Versorgung trotzdem sicherzustellen.

Nach Angaben des Moskauer Forschungszentrums für Agrarökonomie (Sovecon) wurden im Wirtschaftsjahr 2015/16 insgesamt 3,1 Mio. t Weizen, 1 Mio. t Mais, 415'000 t Sonnenblumenschrot und 564'000 t Sonnenblumenöl aus Russland in die Türkei geliefert. Die Experten des Instituts gehen davon aus, dass die neuen Handelsrestriktionen eine Antwort der türkischen Behörden auf die Einfuhrverbote seitens der russischen Regierung sind. Diese betreffen momentan immer noch Tomaten, Äpfel, Birnen, Gurken, Teilstücke und Innereien von Hühnern sowie Truten, Auberginen, Zucchini und Kürbisse.

Nach Einschätzung der Analysten dürften die neuen Einfuhrregelungen der Türkei zunächst keinen grossen Einfluss auf die russischen Getreideexporte im noch bis Ende Juni 2017 laufenden Wirtschaftsjahr haben, da der Hauptteil der Lieferungen bereits erfolgt sei. Im Jahr 2017/18 könnten bei Beibehaltung der Regelung die Auswirkungen allerdings grösser sein, da die türkische Mehlindustrie normalerweise bis zu 75% ihres Rohstoffs von russischen Unternehmen bezögen.

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